Die Wahl in Hamburg

Im Schatten von Beusts

Rums! Dass der Startschuss zum  Superwahljahr für Von Ulrich Kaiser

die CDU nach hinten losgehen musste, war von vorn herein so sicher wie das Amen in der Kirche. Offen blieb allein, wie desaströs ihr Ergebnis in Hamburg ausfallen würde.

Nun ist es ein rabenschwarzer Tag für die Schwarzen geworden. Ins Bodenlose gestürzt, fuhr die CDU ihr schlechtestes Resultat in der Hansestadt seit Kriegsende ein. Die auf langer Durststrecke ausgezehrte SPD dagegen hat nicht nur das Rathaus zurückerobert, sondern darf sich mit einem in dieser Höhe unerwarteten Triumph schmücken.

Christoph Ahlhaus, der im August vergangenen Jahres das Erbe Ole von Beusts antrat, um nicht einmal 100 Tage nach Amtsantritt die Scherben des ersten schwarz-grünen Laborversuchs auf Landesebene zusammenzufegen, konnte es freilich nicht reißen - in der Hansestadt ist der Heidelberger ein Fremder geblieben. Und Olaf Scholz, seit Schulzeiten in Hamburg verwurzelt, hatte mehr zu bieten als nur den Heimvorteil. Ihm gelang es offenbar, den Bürgern die SPD als kompetenteste Partei auf den lokalen Politikfeldern zu vermitteln - selbst bei den angestammten Domänen der Christdemokraten.

Vor allem aber mag nachgewirkt haben, wie kläglich von Beusts Experiment gescheitert ist. Nach seinem vorzeitigen Abgang konnte die Hamburger CDU auf keinen grünen Zweig mehr kommen. Dass ihr ungleicher Partner schon bald die Scheidung einreichte, um die von Demoskopen verheißene Wählergunst der Stunde zu nutzen, hat sich für die Grünen wohl nicht ausgezahlt. Was bringt ihr mickriger Zugewinn, wenn sie niemand zum Regieren braucht?

Egal, wie groß der Anteil der Bundespolitik am Wahl ergebnis tatsächlich zu veranschlagen ist - die Sozialdemokraten werden daraus Honig saugen für die noch in diesem Jahr anstehenden Landtagswahlen. Ihr bundesweit bestes Wahlergebnis seit 17 Jahren ist für die Genossen zumindest psychologisch wichtig, gleichsam Balsam für die geschundene SPD-Seele.

Zugleich kann die CDU-Chefin den Ausgang in Hamburg eher nicht als Bestätigung für ihre neue Linie werten, die alten Werte der Partei wieder stärker hervorzukehren. Der Wechsel zu Ahlhaus nach von Beust steht ungewollt sinnbildlich für diesen Schwenk von Experimentierfreude zu Bewährtem. Das besagt allerdings wenig etwa über die wichtige Wahl in Baden-Württemberg. Noch ist Stuttgart nicht verloren - und selbst wenn: Wer in der Union sollte der Kanzlerin noch gefährlich werden, seit Guttenberg auf Normalmaß gestutzt ist? Es hängt eben „alles mit allem zusammen“ (Zitat Angela Merkel).

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