Der Energie-Kompromiss

Kommentar: Schlechter Preis

Was am Energiekompromiss „epochal" ist, wird der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle noch einmal erklären müssen. Die „feste Brücke in das Zeitalter der erneuerbaren Energien" (Zitat Westerwelle) ist mit geschätzten 120 Mrd. Von Lutz Kämpfe

Mehreinnahmen der großen Energiekonzerne sehr teuer erkauft worden,  zudem steht das Bauwerk einsam in der Landschaft, es fehlen noch die Zufahrten. Denn in Nordrhein-Westfalen wird bereits an einer Verfassungsklage gegen die ausgehandelte Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken gebastelt. Im Fall, dass die Klage erfolgreich sein wird, hätte die Fahrt ins goldene Energie-Zeitalter nur kurz gedauert. Sollte die Zukunftsbrücke indes halten, wäre Jubel auch nicht angebracht. Der Blick auf die Sicherheit der immer älter werdenden Kernkraftwerke kann sehr skeptisch stimmen. Die Endlagerfrage ist bis heute nicht gelöst - wenn es da überhaupt eine Lösung gibt, die das Prädikat „sicher" verdient.

Wie eine Zeit ohne Kernkraft und ohne Kohle energietechnisch aussehen könnte, verliert sich zudem in einer nebulösen Vision. Aber zur Zukunft wird nicht einmal die Opposition inhaltlich konkret. Sie sieht vor allem „ihren“ Atomausstieg im Eimer und hat eine quälende Debatte um die „Käuflichkeit“ von Regierungspolitik angezettelt - letztlich Gerede, das zu einem Nebenkriegsschauplatz führt, der inhaltlich niemanden weiterbringt. Vermutlich hätte die SPD, wenn sie in der Verantwortung stünde, nur ein bisschen mehr Kohleenergie ins Spiel gebracht und es ansonsten kaum anders gemacht.

Dass sich Regierende an große Unternehmen ausliefern, ist kein Privileg von Schwarz-Gelb. Allerdings ist selten dafür ein so schlechter Preis erzielt worden.

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