Kommentar: Schnee von gestern

Der Volksmund ist in seiner Wortwahl oft brutal, doch nicht selten treffsicher. Bezogen auf den Parteitag der CDU und den Auftritt der Vorsitzenden Angela Merkel könnte dies heißen: Kalter Kaffee wird dadurch nicht besser, dass man ihn in einer goldenen Kanne serviert. Von Manfred Brackelmann

Denn auch ein Beifallssturm von zehn Minuten kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kanzlerin kaum mehr als sattsam bekannte Aussagen neu auftischte. Und die fanden vor allem deshalb so dankbare Kundschaft, weil das teilerneuertePersonal ihrer Partei hauptsächlich eine Position stärkt: die einer praktisch konkurrenzlosen Chefin. Also geht alles. Im Blick aufs politische Klima weckt Merkel mahnend die Erinnerung an den schmählichen Umgang mit Ex-Bundespräsident Horst Köhler - und vergisst, dass tröstende Worte in der Phase rund um Köhlers Rücktritt Mangelware waren, das Kanzleramt eingeschlossen.

Im Anspruch auf das Prädikat Volkspartei propagiert die CDU-Vorsitzende ein Sparpaket, das diesem Anspruch im Fordern von unten und Fördern von oben kaum gerecht wird. Die Warnung vor Rot-Rot-Grün ist Ritual, die kühle Schulter für die Grünen nur natürliche Folge der CDU-Atompolitik, deren gesellschaftliche wie politische Folgen noch längst nicht ausgestanden sind.

Das reicht - wie auch Merkels Wahlergebnis zeigt - für den Parteitag als Moment der Selbstbeschwörung wie auch als Munition für ein klares politisches Feindbild. Die Bewährungsproben folgen 2011, wenn der Wähler das Wort hat.

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