Katastrophe von Fukushima

Schockierendes Mosaik

Die Hochstufung der Reaktorkatastrophe von Fukushima auf Tschernobyl-Niveau bedeutet nicht etwa, dass sich die Welt auf eine Wiederholung der dramatischen Folgen des Gaus in der Ukraine einzustellen hätte – den massiven Fallout etwa. Es handelt sich vielmehr um eine nachträgliche Korrektur in der Einschätzung des Unglücks durch die japanische Atomenergiebehörde, einen bürokratischen Akt, der nichts über eine etwaige Vergleichbarkeit mit Tschernobyl im Detail aussagt. Insofern ist das Ganze für die Öffentlichkeit von zweifelhafter Aussagekraft. Von Lorenz von Stackelberg

Die reichlich späte Einsicht in den Ernst der Lage (den Strahlenexperten hierzulande unmittelbar nach Eintritt der Katastrophe beschrieben hatten), fügt sich allerdings passgenau in das schockierende Mosaik aus Hilflosigkeit, Desorganisation und Schlamperei, mit dem die Betreiberfirma auf die Katastrophe reagierte, und bestätigt im Nachhinein den Verdacht, dass die Verantwortlichen die Auswirkungen über viele Wochen bewusst heruntergespielt haben. Die gebetsmühlenhafte Behauptung, für die Menschen rund um Fukushima bestehe, steigenden Strahlenwerten in Luft, Wasser, Boden und Nahrungsmitteln zum Trotz, keine Gefahr, erinnert fatal an das kollektive Schweigen, mit dem die Behörden in Moskau und Kiew im April 1986 auf die „Havarie“ von Tschernobyl reagierten.

In diesem Punkt zumindest finden sich in der Tat peinliche Parallelen zwischen den beiden Reaktorkatastrophen – für das Hightech-Land Japan im Vergleich mit dem damaligen Entwicklungsland Ukraine eine einzige Blamage.

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