"Keine Persona non grata"

Schröder verteidigt umstrittene Putin-Umarmung

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Lass Dich umarmen, Genosse! So begrüßte Schröder Putin bei seiner nachgeholten 70. Geburtstagsfeier in St. Petersburg.

Berlin - Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat Kritik an seiner Geburtstagsparty in St. Petersburg und der herzlichen Umarmung mit Kremlchef Wladimir Putin zurückgewiesen.

„Der russische Präsident ist keine Persona non grata“, sagte Schröder der „Welt am Sonntag“ und dem „SonntagsBlick“. Er habe „nicht eine Sekunde“ darüber nachgedacht, darum zu bitten, den Empfang abzusagen, sagte der SPD-Politiker und verteidigte auch seine Umarmung mit Putin am Rande der Feier. „Natürlich war mir klar, dabei fotografiert zu werden. Aber ich habe nichts zu verbergen, und ich werde mich auch nicht verbiegen. Seitdem ich Wladimir Putin kenne, seit mehr als 14 Jahren, begrüßen wir uns so“, sagte Schröder. „Das ändere ich auch nicht in schwierigen Zeiten.“

Schröder und Putin hatten Ende April im Petersburger Jussopow-Palast bei einem Empfang der Nord Stream AG zu Ehren Schröders den 70. Geburtstag des Altkanzlers nachgefeiert. Zur Begrüßung hatten sie sich herzlich umarmt. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des vom russischen Staatskonzern Gazprom dominierten Unternehmens. Nord Stream baute und betreibt die gleichnamige Ostsee-Pipeline, durch die Erdgas von Russland nach Deutschland geleitet wird. Die Begegnung der beiden Politiker inmitten der Ukraine-Krise sorgte für Empörung quer durch die Bundestagsparteien.

Zehn Dinge, für die Gerhard Schröder steht

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Der Altkanzler fügte an, das Treffen habe, „was die Freilassung der OSZE-Militärbeobachter angeht, auch zu einem Erfolg geführt“. Er habe Putin gebeten, dabei zu helfen, die in der Ostukraine festgehaltenen Männer, darunter vier Deutsche, freizubekommen. Anfang Mai waren sie aus ihrer einwöchigen Geiselhaft entlassen worden.

Schröder kritisiert EU und Kiew

Der EU warf Schröder schwere Fehler im Umgang mit der Ukraine vor. "Der grundlegende Fehler lag in der EU-Assoziierungspolitik", sagte Schröder. "Die EU hat ignoriert, dass die Ukraine ein kulturell tief gespaltenes Land ist." Der Süden und Osten des Landes seien schon immer eher Russland zugeneigt gewesen, der Westen eher der EU. Mit Russland hätte die EU parallel zu den Assoziierungsgesprächen reden müssen "Das ,Entweder oder' - also entweder Assoziierung mit der EU oder Zollunion mit Russland - war der Anfangsfehler."

Kritik übte Schröder zudem an der Übergangsregierung in Kiew, die gleich nach Amtsantritt "schwere Fehler" gemacht habe wie die Abschaffung von Russisch als Amtssprache. Zudem sei der östliche Landesteil in der Regierung nicht vertreten, sagte Schröder: "Das schafft Misstrauen, ebenso wie die Beteiligung einer rechtsextremen Partei an der Regierung."

Statt weiter Sanktionen anzudrohen, sollte über "russische Sicherheitsinteresse" gesprochen werden, forderte Schröder. Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine etwa sei "für Russland nicht akzeptabel. Gefordert werde aber, dass der Westen "Russland und Putin isolieren" müsse, kritisierte der SPD-Politiker.

dpa/afp

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