Mit Schulnoten gegen Pflege-Missstände

Offenbach - Einigung auf Regelungen für Qualitätsberichte / 49 Bewertungskriterien für ambulante Dienste

Es kann alles sehr schnell gehen: Vater oder Mutter erleiden einen Schlaganfall oder erkranken an Demenz. Auf die Frage des Hausarztes „In welches Pflegeheim wollen Sie ihre Eltern bringen?“ gibt es für viele nur eine Antwort: „Welches empfehlen Sie denn - oder sollen wir es mit einem Pflegedienst versuchen?“

Für Außenstehende war es bisher kaum möglich, etwas über die Qualität der Pflege zu erfahren. Dies soll sich in den nächsten Wochen ändern. Nach Mitteilung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) sind nun Kriterien zur Bewertung von Heimen und Pflegediensten ausgehandelt worden. Experten des Medizinischen Dienstes haben jetzt die Aufgabe, ihre Prüfstrukturen entsprechend anzupassen. Alsbald sollen sie dann mit Schulnoten die Qualität der Pflege öffentlich machen.

Laut bpa werden bei den Tests der Pflegeeinrichtungen rund 10 Prozent aller Pflegebedürftigen aus allen Pflegestufen - erstmals auf der Grundlage einer repräsentativen Stichprobe - in die Bewertung einbezogen. Verbandschef Bernd Meurer: „Dieses Vorgehen dürfte auch dazu führen, dass eine in den Medien oftmals verzerrte öffentliche Darstellung der Versorgungsqualität in Pflegeeinrichtungen künftig vermieden wird.“ Heime werden verpflichtet, die Ergebnisse der Prüfung an gut sichtbarer Stelle in ihrer Einrichtung auszuhängen oder im Internet zu verbreiten. Bis 2010 muss der Dienst der Krankenkassen alle deutschen Heime einmal begutachten. Danach soll es jährlich eine Prüfung der Einrichtungen geben.

Für die ambulante Pflege wurden 49 Bewertungskriterien in vier Bereichen festgelegt, die mit Schulnoten von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ bewertet werden können und auf einer Seite übersichtlich zusammengefasst werden sollen. Diese vier Bereiche sind laut bpa: Pflegerische Leistungen, ärztlich verordnete pflegerische Leistungen, Dienstleistungen und Organisation plus Befragung der Kunden. „Aus den Bereichen eins bis drei wird ein Gesamtergebnis gebildet; das Resultat der Kundenbefragung wird gesondert ausgewiesen“, heißt es. Neben Pflegeversicherungsleistungen werden somit auch die auf Veranlassung des Arztes durchgeführten pflegerischen Leistungen aus dem Bereich der Krankenversicherung in die Prüfung einbezogen. In der Regel würden die Prüfungen vor Ort bei den pflegebedürftigen Menschen durchgeführt: „Und es wird ermittelt, ob sie die Leistungen, die diese zuvor bestellt haben, in der vereinbarten Qualität erhalten haben“, erklärte der Verband.

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