Wer schummelt denn da?

Energieressern auf der Spur: Auch im Haushalt, bei Lampen und Elektrogeräten, kann Strom gespart werden. - Foto: dpa

Offenbach - Die Preise steigen und am Strommarkt wird um Verträge gerungen. Die Verunsicherung bei vielen Verbrauchern, die durch einen Anbieterwechsel bares Geld sparen wollen, ist groß und der Frust wächst.

Viele Verbraucher fühlen sich im Stich gelassen - und suchen händeringend nach Rat. Wer schummelt denn da - auf welche Fallen sollte man achten? Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen nach:.

Haben Sie den Eindruck, dass die Beschwerden über Haustürgeschäfte zu Energielieferungen deutlich zugenommen haben, Sie haben ja über Drückerwellen berichtet?

In Zeiten stetig steigender Energiepreise hat in den letzten Jahren die Wechselbereitschaft der Verbraucher zugenommen. Das ruft natürlich auch dubiose Anbieter bzw. Vertragsvermittler auf den Plan. Beschwerden über zweifelhafte Haustürgeschäfte haben in unserer Beratungspraxis in den letzten zwei, drei Jahren deutlich zugenommen. Verträge werden auf der Straße, vor Supermärkten, in Einkaufsmärkten oder - ganz klassisch - an der Haustür angebahnt. Manche Werber erklären dabei, es habe in der unmittelbaren Nachbarschaft Beschwerden wegen der Ökostrom-Umlage gegeben und sie müssten daher die Stromrechnung überprüfen. Teils wird auch mit der Angst der Verbraucher gespielt und behauptet, den bisherigen Grundversorger werde es künftig nicht mehr geben. Senioren werden zusätzliche Leistungen - wie zum Beispiel Hilfestellungen beim Einkauf etc. - versprochen.

Verbraucher sollten sich jedenfalls nicht überrumpeln lassen...

Ja! Bei Haustürgeschäften gibt es meist keine Möglichkeit, Preise zu vergleichen. Auf Versprechungen und pauschale Werbeaussagen der Werber sollte man sich zudem nicht verlassen. Auch sollten der Vertragstext und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vor einer Unterschrift in Ruhe geprüft werden. Falls ein abgeschlossener Vertrag im Nachhinein doch bereut wird, kann dieser wegen des Überrumpelungseffektes bei einem derartigen Haustürgeschäft ohne Angabe von Gründen innerhalb von vierzehn Tagen widerrufen werden. Falls keine oder eine falsche Belehrung über das Widerrufsrecht erfolgt ist, kann diese Frist sogar länger sein. Wurde man hinters Licht geführt, kommt auch nach Ablauf der Widerrufsfrist noch eine Anfechtung des Vertrages wegen arglistiger Täuschung in Betracht.

Lohnt sich denn der Wechsel des Energieanbieters noch, Verbraucher werden ja mit erstaunlich vielen Hiobsbotschaften konfrontiert?

Durch einen Anbieterwechsel kann man durchaus einige hundert Euro im Jahr sparen. Natürlich hängt die Höhe der Ersparnis vom individuellen Verbrauch ab. Natürlich verunsichern Hiobsbotschaften - wie die rund um die Teldafax-Pleite, bei der viele tausend Verbraucher ihr im Voraus gezahltes Geld verloren haben, Meldungen über Verzögerungen beim Wechsel oder jetzt über Drückerkolonnen die Verbraucher. Wer jedoch beim Wechsel gewisse Grundregeln beachtet - also zum Beispiel keinerlei Vorkasse leistet und aufs Kleingedruckte schaut -, geht in der Regel kein großes Risiko ein. Selbst wenn der Wechsel scheitert oder es zu Verzögerungen kommt: Der Grundversorger ist verpflichtet, mich weiter zu versorgen. Das wird dann zwar etwas teurer, aber ich stehe weder im Dunkeln noch muss ich frieren.

Worauf sollte beim Tarif- oder Anbieterwechsel unbedingt geachtet werden?

Man sollte sich unbedingt die Zeit für einen Preisvergleich nehmen. Vergleichen Sie die Bruttopreise der Anbieter. Die Suche nach einem günstigeren Stromversorgungsangebot wird durch die Vielzahl der Anbieter und Preismodelle erschwert. Deshalb kann sie mit vertretbarem Aufwand nur noch mittels Strompreisrechner im Internet erfolgen. Inzwischen gibt es im Internet eine Vielzahl von Strompreisportalen, die für den Preisvergleich sehr hilfreich sein können. Durch die Eingabe von Postleitzahl und Jahresstromverbrauch erhält man einen Überblick der günstigsten Anbieter und deren Preismodelle. Bei vielen Strompreisrechnern besteht die Möglichkeit, durch eine Vorauswahl die Abfrage zu optimieren und so etwa nicht gewünschte Modelle mit Vorkasse oder Kaution auszusortieren oder die Abfrage auf gewünschte Angebote wie Ökostrom zu konzentrieren. Bei vielen Strompreisrechnern besteht auch die Möglichkeit, direkt den Wechsel einzuleiten und online oder mittels Formular den Wechselantrag abzuschicken.

Aber nicht alle Strompreisrechner ermitteln immer die tatsächlich günstigsten Preismodelle?

Es gibt Probleme. Zum Beispiel: Angebote ändern sich kurzfristig, die angegebenen Preise und Tarife sind nicht immer überall verfügbar und auch andere Entscheidungskriterien – wie zum Beispiel die Allgemeinen Geschäftsbedingungen – fließen nicht in den Vergleich ein. Der Verbraucher sollte also zusätzlich Angebote bei den Versorgungsunternehmen einholen und das Kleingedruckte bei seiner Entscheidung berücksichtigen. Tarifrechner übernehmen auch keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Verbraucher sollten daher vorsorglich die Angaben mit denen auf der Homepage des jeweiligen Anbieters vergleichen.

Was empfehlen Sie?

... keine längere Erstlaufzeit als ein Jahr und danach eine möglichst kurze Kündigungsfrist des neuen Vertrages von möglichst einem Monat zum Ende des nächsten Kalendermonats. Von Paketangeboten - also der Einkauf einer vorab vereinbarten Energiemenge - ,Vorkasse und Angeboten mit Kaution sowie deren Kombination raten wir seit jeher ab. Jegliche Vorauszahlung birgt das Risiko in sich, dass diese im Falle der Insolvenz des Anbieters komplett verloren geht. Man denke hier nur an die Teldafax-Pleite und deren Folgen für die Verbraucher.

Zu den Lockangeboten bei vielen Energieanbietern gehören ja auch oftmals Bonuszahlungen. Was sollte beachtet werden?

Wer beim Preisvergleich eine Extrazahlung mit einberechnet, sollte berücksichtigen, dass dieser Bonus nur einmalig anfällt - zum Beispiel nach Vertragsschluss oder nach Ablauf des ersten Vertragsjahres. Im zweiten Jahr kann es dann deutlich teurer werden.

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