Wähler trauen sich nicht auf Straße

Bangladesch: Sechs Tote bei Parlamentswahl

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Einer der wenigen Wähler, die am Sonntag bei der Parlamentswahl abstimmen.

Dhaka - Die Wahl in Bangladesch wird von brutaler Gewalt überschattet. Aktivisten schmeißen Brandsätze, die Polizei feuert zurück. Mindestens sechs Tote sind zu beklagen.

Die Wahl in Bangladesch hat mit tödlicher Gewalt und einer sehr geringen Wahlbeteiligung begonnen. Polizisten erschossen am Sonntag nach offiziellen Angaben fünf Menschen bei Angriffen auf Wahllokale. Ein Mitarbeiter der Wahlkommission wurde wenige Stunden vor Beginn der Abstimmung von regierungsfeindlichen Aktivisten getötet. Wegen Gewaltausbrüchen wurde die Parlamentswahl in 126 der mehr als 18 000 Wahllokale ausgesetzt.

In vielen anderen Abstimmungszentren in dem südasiatischen Entwicklungsland war am Morgen kaum etwas los. Die Menschen blieben Zuhause, weil sie die Gewalt fürchteten - trotz der 270 000 Sicherheitskräfte auf den Straßen. Außerdem war die Wahl schon vor der Öffnung der Wahllokale entschieden. Die regierende Awami-Liga stand wegen des Boykotts der Opposition bereits im Vorfeld als Sieger fest.

Die meisten der Erschossenen waren Aktivisten der islamistischen Partei Jamaat-e-Islami und deren Jugendorganisation. Diese darf bei der Wahl nicht antreten, nachdem ein Gericht des säkularen islamischen Staates ihre Registrierung vor einigen Monaten für ungültig erklärt hatte. Die Jamaat ist ein Bündnispartner der größten Oppositionspartei Bangladesh Nationalist Party (BNP). BNP-Anführer hatten immer wieder erklärt, die Abstimmung müsse um jeden Preis aufgehalten werden. Sie riefen dazu auf, alle Geschäfte geschlossen zu halten und Straßen und Schienen zu blockieren.

Im Nordwesten des Landes starb ein Mitarbeiter dre Wahlkommission, nachdem mutmaßliche Anhänger der Oppositionsparteien einige Stunden vor Beginn der Abstimmung einen Molotowcocktail in ein Wahllokal in Thakurgaon geschmissen hatten. Dabei seien sechs Mitarbeiter verletzt worden, einer sei später im Krankenhaus seinen schweren Brandwunden erlegen, sagte ein Polizeisprecher. Schon im Vorfeld hatten die Aktivisten mehr als 100 Wahllokale in Brand gesteckt und Stimmzettel gestohlen.

Die Mehrzahl der fast 92 Millionen Berechtigten hatte gar keine Wahl. In 153 der 300 Wahlbezirke traten keine Kandidaten gegen die Regierungsvertreter an, so dass ihnen bereits im Vorfeld die dortigen Parlamentssitze zugesprochen wurden. „Das ist ein tote Wahl, eine Nicht-Wahl“, meint deswegen Moyeen Khan, Mitglied des ständischen Ausschusses der BNP. Weil die Regierung die Abstimmung mit allen Mitteln durchgesetzt habe, sei sie nun für die Folgen verantwortlich.

dpa

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