Kommentar: Ein Segen für Zuschauer

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Siegfried J. Michel

Jeder von uns kennt das - und viele nervt es auch gewaltig. Da hat man sich zum Beispiel gerade ein schöne Daily Soap angesehen, und dann fällt man vor Schreck fast aus dem Fernsehsessel. Schrill und laut wird für das Produkt XY geworben.

Die Reaktionen: Da wird auf der Fernbedienung flott die Stummstell-Taste gedrückt. Manche schalten auch auf einen anderen Sender, um dem Werbe-Lärm zu entfliehen, oder gehen zum Kühlschrank.

Da klingt es wohltuend für die Ohren, dass ARD und ZDF im nächsten Jahr dafür sorgen wollen, dass der Schallpegel der Werbespots heruntergeschraubt wird. Dies wäre wirklich ein wahrer Segen für die geplagten Zuschauer-Ohren. Bisher war es so, dass die Sender den Firmen einen Spitzenwert für die Lautstärke vorgeben, was die Unternehmen denn auch weidlich nutzen. Gleich wird mit dem Höchstwert eingestiegen - und es bleibt dann auch dabei. Mit einem Durchschnittswert soll künftig dafür gesorgt werden, dass die Grundlautstärke der Spots gesenkt wird. Gut so.

Auslöser für das Umdenken waren offensichtlich auch die Beschwerden von Zuschauern, was zeigt, dass man als Kunde und Verbraucher doch eine nicht zu unterschätzende Macht hat. Die sollte nun auch bei den privaten TV-Sendern verstärkt eingesetzt werden, denn diese wollen bisher bei dem „Lärmschutz-Programm“ nicht mitmachen. Man wolle erst einmal sehen, welche Wirkung der Kurs der Öffentlich-Rechtlichen habe, heißt es zur Begründung.

Grundsätzlich aber sollten sich auch die Firmen Gedanken darüber machen, ob ihre überlauten marktschreierischen Spots - das gilt übrigens auch für das Radio - wirklich zum Ziel führen, Kunden zu gewinnen. Denn bei denen, die den Ton abschalten oder gehen, kommt die Botschaft nicht an. Und so mancher Werbungs-Hörgeschädigte wird da wohl genervt auch zum Kaufverweigerer.

Dabei kann Werbung auch anders, wie eine ganze Reihe von Spots in Funk und Fernsehen täglich zeigt. Nicht laut und schrill kommen sie daher, sondern mit viel Witz und Fantasie wird da gearbeitet. Da bleibt man eher dran, schaltet nicht ab oder um und amüsiert sich teils sogar noch. Will sagen: Mit Qualität in der Werbung kann man manches Kunden Herz erwärmen und ihm so eventuell einige seiner Euros für ein Produkt entlocken.

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