Seit Jahr und Tag

Das Datum 20. März ist eigentlich ein schönes: Frühlingsanfang. Doch in diesem Jahr ist es auch ein Tag der Schande, den sich Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politiker rot im Kalender anstreichen sollten. Bis zu diesem Tag nämlich müssen Frauen im Durchschnitt über den 31. Dezember hinaus weiter arbeiten, wenn sie den gleichen Jahresverdienst wie die Männer erzielen wollten.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und Leistung - schon schlimm genug, dass etwas, was eigentlich im 21. Jahrhundert in einem Land wie Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein sollte, seit Jahr und Tag gefordert werden muss. Nun kommt es gar noch schlimmer: Hierzulande öffnet sich die Lohnschere immer weiter. Hauptgrund: Frauen, die mit Rücksicht auf ihre Kinder oder zu pflegende Angehörige daheim bleiben. Dies ist aller Ehren wert, wenn es dem Wunsch der Frauen entspricht, in der Familie so abgesprochen ist. Doch kennt jeder von uns genug Beispiele, wo Frauen beruflich zurückstecken, weil Betreuungsmöglichkeiten für die Sprösslinge fehlen oder Pflege sonst nicht zu leisten (und zu bezahlen) ist.

Hier sind Politiker und Arbeitgeber gefordert, die Lösungsmöglichkeiten wie etwa flexiblere Arbeitszeitmodelle sind allesamt bekannt, zig Mal diskutiert worden. Aber viel passiert ist nicht. Und: Ob es sich ein Hoch industrieland wie Deutschland noch lange leisten kann, die vielfach besser qualifizierten Frauen links liegen zu lassen, sei dahingestellt.

Aber ändern muss sich natürlich auch etwas im Denken der Gesellschaft. Das Stigma, wonach eine Frau, die sich nicht rund um die Uhr um ihren Nachwuchs kümmert, eine schlechte Mutter ist, lebt fort. Und dass Väter, die ihrer Kinder zuliebe Teilzeit arbeiten, sich Schmähungen anhören müssen, ist leider auch nicht erfunden.

angelika.duerbaum@op-online.de

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