Sicherheit ohne nackte Tatsachen

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Keine Peep-Show: Am Flughafen von Amsterdam kommen diese Scanner bereits zum Einsatz. Sie zeigen den Körper des Reisenden nur schematisch.

Berlin - In den Streit um den Einsatz von sogenannten „Nacktscannern“ an Flughäfen kommt Bewegung: Neue Geräte, die den durchleuchteten Menschen nur noch schematisch darstellen, könnten schon in diesem Jahr zum Einsatz kommen.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sieht gute Chancen für einen Probebetrieb der umstrittenen Körperscanner noch in diesem Jahr. Es komme jetzt darauf an, dass sich die Geräte mit modernster Technik auch im praktischen Betrieb bewährten, sagte er. „Und das geht nicht in Labors, dafür braucht man den Praxistest auf deutschen Flughäfen.“ Er sei zuversichtlich, dass mit diesen Tests noch in diesem Jahr begonnen werden könne, unterstrich Bosbach.

Der CDU-Politiker versuchte erneut, Bedenken gegen den Einsatz von Körperscannern für mehr Sicherheit im Luftverkehr zu zerstreuen. „Ich kann die Befürchtungen verstehen, ich möchte ja auch nicht nackt dastehen.“ Niemand denke aber daran, „Nacktscanner“ einzusetzen, bei denen die Kontrolleure die Passagiere quasi nackt sehen könnten. „Das brauchen wir auch bei modernster Technik gar nicht.“ Bei der jüngsten Generation der Körperscanner würden nur noch gesuchte Gegenstände beispielsweise farblich auf einem Bildschirm abgebildet. Am Wochenende hatten die Unionsfraktion im Bundestag und auch Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bei der Einführung von Körperscannern aufs Tempo gedrückt. Die Diskussion über die Scanner war durch das vor gut einer Woche knapp vereitelte Terror-Attentat eines Nigerianers in einem US-Flugzeug aktuell geworden.

Auch die FDP, die den Einsatz der Nacktscanner aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes abgelehnt hatte, scheint nun einzulenken: Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), sagte, da die Erfahrung gelehrt habe, dass Sprengstoff in der Unterwäsche unerkannt an Bord von Flugzeugen gebracht werden könne, sei der Einsatz von Körperscannern „der richtige Ansatz“. Allerdings dürfe die Technik erst eingeführt werden, falls zwei Bedingungen erfüllt seien: „Wenn der Eingriff in die Intimsphäre der Passagiere so gering wie möglich ist, und wenn mit ihrem Einsatz ein deutlicher Sicherheitsgewinn verbunden ist.“ Im Gegensatz zu Bosbach wollte sich Stadler allerdings nicht auf einen Zeithorizont für die Einführung dieser Technologie festlegen.

Unterdessen hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) davor gewarnt, die Debatte über Flugsicherheit in Deutschland auf die Einführung von Körperscannern zu verengen. Das gesamte Sicherheitssystem müsse auf den Prüfstand gestellt werden, sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg. Man könne keine Wunderdinge erwarten, wenn man nur ein Sicherheitsloch flicke. Die Personenkontrollen an den Flughäfen seien löchrig. „Die Defizite sind vorhanden.“

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