Kommentar: So simpel ist es nicht

Gebildet, westdeutsch, kinderlos - auf diese simple Formel haben die Statistiker das Thema Frauen und Kinderlosigkeit in Deutschland gebracht. Da lässt sich natürlich wieder trefflich auf die Akademikerinnen schimpfen, die nur ihre Karriere im Kopf haben und nicht bereit sind, für den Nachwuchs zurückzustecken. Von Angelika Dürbaum

Wenn es mal so simpel wäre, wie es die Statistik suggeriert. Denn genaue Gründe für die Kinderlosigkeit werden nicht genannt. Wie viele Frauen müssen auf eigene Kinder verzichten, weil sie keine bekommen können, aus Krankheitsgründen oder schlicht, weil ihnen der Partner fehlt? Eine solches Zahlenwerk würde die Debatte ein ganzes Stück versachlichen. Und könnte endlich mal die Statistik vorgelegt werden, die ausweist, wie viele Männer einer Generation kinderlos sind und es ablehnen, Nachwuchs in die Welt zu setzen.

Ganz klar: Es gibt Frauen, die bewusst auf Kinder verzichten, um sich die berufliche Position, die sie sich erarbeitet haben, nicht aufs Spiel zu setzen. Da muss die Gesellschaft und die Politik sich fragen, warum Kinder als Gefahr für die Karriere angesehen werden, und warum das Elterngeld und all die milliardenteuren familienpolitischen Maßnahmen nicht greifen. Vielleicht würde ja ein Blick nach Frankreich oder Spanien oder Schweden weiterhelfen, wo es mit der Familienpolitik ganz offensichtlich besser klappt.

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