Kosten für junge Komasäufer

Kommentar: Sommerloch in Frost-Zeiten

Meist ist es so, dass in der etwas nachrichtenärmeren Zeit in den Sommermonaten der eine oder andere Politiker meint, dieses sogenannte „Sommerloch“ mit irgendeinem abstrusen Vorschlag füllen zu müssen. Weilen die Spitzen von Regierung und Parteien in den Ferien, dann wird die Gelegenheit genutzt, sich mal so richtig toll in die Schlagzeilen zu bringen. Von Siegfried J. Michel

Jetzt gibt es eine neue Variante, an der sich der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn versucht. Gegen den Trend und wirklich ausreichend Berichtenswertem, trotz frostiger statt sommerlicher Temperaturen prescht er mit einem Vorschlag vor, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Angesichts einer steigenden Zahl von jugendlichen Komasäufern will der Herr Experte, dass die Eltern der Turbo-Trinker einen großen Teil der nicht unerheblichen Behandlungskosten tragen müssen, die bei einer Notaufnahme der sich schier selbst vergiftenden Jugendlichen in einem Krankenhaus entstehen. Und zur Begründung erklärt der Christdemokrat, schließlich vernachlässigten Eltern ja auch ihre Aufsichtspflicht, wenn sich 12- oder 13-Jährige ungestört ins Koma saufen können.

Der Vorschlag ist ebenso untauglich, wie etwa die, dass stark übergewichtige Menschen oder Bürger, die Risikosportarten betreiben, gefälligst einen Risikozuschlag bei den Krankenkassenbeiträgen zahlen sollen.

Richtig ist zwar, dass die Allgemeinheit die Mehrkosten für die Rettung der jungen Komatrinker mitträgt. Dies aber auf die Eltern abzuwälzen, ist der falsche Weg. Es entspricht auch nicht der Lebenswirklichkeit, dass Eltern eine Rund-um-die-Uhr-Aufsichtspflicht über ihre flügge gewordenen Sprösslinge ausüben können - oder sollen. Außerdem wird mit der quasi „Bestrafung“ der Eltern natürlich nicht das Grundproblem - nämlich sie steigende Zahl junger Komasäufer - gelöst. Massive Aufklärung in den Schulen, im Fall der Fälle erzieherische Maßnahmen oder auch die Androhung, dass der Jugendliche bei weiteren Alkoholauffälligkeiten den meist heiß ersehnten Führerschein erst einmal abschreiben kann, sind allemal wirksamer.

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