Arbeitslose gleich in Hartz IV

Kommentar: Soziale Spannungen

Die Sozialverbände warnen vor einer möglichen Altersarmut, immer mehr Arbeitslose beziehen gar nicht erst die normale „Stütze“ sondern sind direkt auf Hartz IV angewiesen, und nach wie vor werden Tarifverträge abgeschlossen, in denen Stundenlöhne gezahlt werden, die deutlich unter dem Niveau der bislang vereinbarten Mindestlöhne liegen. Von Hans Willms

Deutschland ist ein vergleichsweise reiches Land, aber längst nicht allen in diesem Land geht es gut - eine bittere Erkenntnis.

Es mag Menschen geben, die die Warnungen der Sozialverbände oder die Analysen der Gewerkschaften als Jammern auf hohem Niveau bezeichnen. Wenn aber immer mehr Menschen nicht mehr allein von dem Geld leben können, das sie in ihrem Vollzeitjob verdienen, wenn es Fälle gibt, in denen einem Arbeitnehmer unterm Strich noch weniger bleibt als dem ohnehin schon gebeutelten Hartz-IV-Empfänger, dann stimmt etwas nicht mehr in unserem Land. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte der sozialen Spaltung eines Tages die soziale Spannung folgen. Vielleicht sogar mehr. Die Wut und Empörung der Betroffenen jedenfalls ist nachvollziehbar.

Überraschend ist die Entwicklung gleichwohl nicht. Überschaubare Lohnerhöhungen, immer mit Rücksicht auf den stotternden Konjunkturmotor, die Möglichkeit, weite Teile der Belegschaft aus der Zeitarbeitsbranche zu rekrutieren und nicht zuletzt der Druck, bei einem Verlust des Arbeitsplatzes innerhalb kürzester Zeit in Hartz IV zu rutschen, haben der Wirtschaft Rückenwind gegeben, vielen Menschen aber bläst dieser Wind auch direkt ins Gesicht.

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