Protest gegen Stuttgart 21

Kommentar: Spät, aber stark

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Wolfgang Blieffert

Verwundert reiben wir uns die Augen: Massendemos, Besetzungsaktionen, Straßenblockaden. Was bislang aus den Großstadtkiezen von Berlin und Hamburg sowie der Nähe von Atomanlagen bekannt war, spielt sich auf einmal im beschaulichen Stuttgart ab, das man stets nur mit Ruhe, Fleiß und Sparsamkeit verband. Von Wolfgang Blieffert

Aber wahrscheinlich liegen genau hier die Wurzeln des Protests. Die explosionsartig steigenden Kosten des Bahnprojekts Stuttgart 21 und seine gigantomanischen Dimensionen lassen die braven Schwaben erschauern. Und die Zeiten sind auch hier vorbei, in denen man treuherzig auf Beteuerungen aus Landesregierungen und Stadtverwaltungen vertraute. Der Protest mag sich spät artikuliert haben, aber wahrscheinlich wächst er gerade deshalb jetzt umso schneller.

Es ist eine bürgerliche Protestbewegung. Und das macht es für die schwarz-gelbe Landesregierung höchst gefährlich. Dass CDU und FDP nach der Landtagswahl im nächsten Frühjahr noch die Mehrheit im Landtag des Ländles haben, erscheint unwahrscheinlich. Der Verdacht liegt deshalb nahe, dass jetzt umso schneller Tatsachen geschaffen werden sollen.

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