Die SPD nach den Wahlen

Steinbrücks Kurs

Das waren kuriose Bilder, die am Sonntag aus Stuttgart, Mainz und Berlin übermittelt wurden. Da standen die SPD-Heroen, strahlten übers ganze Gesicht und feierten den Wahlausgang. Dabei hatten Nils Schmid in Baden-Württemberg und der Rheinland-Pfälzer Kurt Beck gerade krachende Niederlagen für die Sozialdemokraten eingefahren. Regieren können beide zwar, aber nur dank der Schwäche von Union und FDP und der Stärke der Grünen. Das lässt SPD-Chef Sigmar Gabriel unbeeindruckt: „Es überwiegen bei mir die lachenden Augen.“ Von Angelika Dürbaum

Was genau er zum Lachen findet, bleibt sein Geheimnis angesichts des Niedergangs der einst mächtigen Volkspartei. Und dass Gabriel die neue Rollenverteilung im Ländle, die Grünen als Koch und die SPD nur noch als Kellner, ohne weiteres akzeptiert, sagt viel über das Selbstverständnis einer Partei, die einst einige der besten Politiker in ihren Reihen hatte, die dieses Land je gesehen hat.

Klarer Kurs, klare Positionen - daran mangelt es der SPD. Gabriel hat aber wenigstens schon erkannt, wer den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Mehr „im Rampenlicht“ wünscht er zukünftig wieder Peer Steinbrück zu sehen. Dahinter verbirgt sich nur wenig verklausuliert das Angebot für die Kanzlerkandidatur 2013. Auch in der Fraktion wird Steinbrücks Name genannt. In der Bevölkerung ist der einstige Finanzminister der großen Koalition ohnehin ein populärer Mann. Nicht wenige glauben, ihm allein sei es zu verdanken, dass Deutschland so gut durch die Finanzkrise gekommen ist. Sein neues Buch mit Vorschlägen zur „Revitalisierung der SPD“ ist schon mal ein Renner. Dort kann Gabriel auch nachlesen, wann Steinbrück seinen Lockruf erhören würde: bei einem gradlinigen Kurs.

@angelika.duerbaum@op-online.de

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