Bundestagsbeschluss

Kommentar: Technikerin der Macht

Nein, eine Visionärin ist Angela Merkel nicht. Joschka Fischer beispielsweise wollte sich noch im Juni 2010 an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf in nichts weniger als den Kampf um die Vereinigten Staaten von Europa stürzen. Von Tibor Pézsa

Bei der Bundeskanzlerin, ganz Technikerin der Macht, klingt das so: Europa muss eine Stabilitätsunion werden.

Man würde Angela Merkel Unrecht tun, legte man das Spröde ihrer Reden als mangelnde politische Fantasie oder gar fehlenden Überblick aus. Dass sie sehr wohl Vorstellungen von zweiten und dritten Schritten hat, machte sie gestern im Bundestag deutlich.

Wann, wenn nicht jetzt, sollten die unübersehbaren Konstruktionsmängel der Eurozone behoben werden? Von wem, wenn nicht von den jetzt Regierenden? So fragte die Bundeskanzlerin - und vergaß nicht zu sagen, was passieren könnte, wenn der Club der 17 es wie üblich nicht schaffen würde, sich ein solideres Fundament zu geben.

Dann, drohte die Bundeskanzlerin, als wäre dies ein Schicksal und nicht eine politische Option, dann würden interessierte und fähige Staaten eben unter sich neue Einigungsverträge aushandeln. Das wäre allerdings das Ende der Europäischen Union.

Angela Merkel sagte es auf ihre Weise.

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