Telefonstreich bei FDP: "Tschuldigung, verwählt"

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Anruf-Flashmob bei der FDP.

Stuttgart/Berlin -  Telefonterror bei der FDP: Dass sein Flashmob so große Kreise zieht, hatte Manuel Vowinkel nicht erwartet. Er rief zu der Aktion auf. Jetzt ist sie nicht mehr zu stoppen.

Es war eine spontane Idee, die aber unvorhergesehen große Kreise zog. "Wer ist dabei? Heute bei der FDP anrufen und sagen 'Tschuldigung verwählt!'" Dann folgte die Telefonnummer der FDP-Zentrale in Berlin.

Diesen Eintrag schrieb der User "Ajoupachiller" bei Twitter am Faschingsdienstag, 16. Februar, um 18 Uhr. Hinter dem Namen steckt Manuel Vowinkel, Beisitzer im Kreisvorstand der Jusos in Stuttgart. "Stellvertretend für 15% der deutschen Wähler kann man nun sowas machen", erklärt der Stuttgarter in seinem Blog. Laut Umfragen in der Vorwoche bekommt die FDP nur noch acht Prozent Zustimmung. Westerwelle steht nach seinen Attacken auf den Sozialstaat massiv in der Kritik.

Rund zehn Minuten nach seiner Nachricht freut sich der 20-Jährige bei Twitter noch über die Beteiligung: "haha die telefonscherz aktion bei der fdp zieht voll kreise." Bald zieht die Aktion aber so große Kreise, das es ihm nicht mehr geheuer ist: Immer mehr User verbreiten den Aufruf am nächsten Tag im Internet, die Nachricht wird mehrfach wiederholt ("retweetet"). Plötzlich ist von einem Flashmob die Rede. Das Schneeballsystem geht online seine eigenen Wege.

Die Geister, die ich rief

Dabei versucht "Ajoupachiller" schon am zweiten Tag, die Geister, die er rief, zu stoppen. Er schreibt: "finde gestern war genug. vor allem war das gestern spontan lustig heute is es nur noch doof". Dass sein Aufruf so viel Anklang finden würde, habe er nicht erwartet, sagt er später.

In seinem Blog fordert der angehende Erzieher die Nachahmer auf, die Aktion zu beenden. Seinen spontanen Aufruf am Dienstagabend versteht Vowinkel als "eine Art satirischer politischer Protest in Zeiten des Karnevals". Es sei aus Spaß und Laune heraus entstanden. Und er betont: "Das ist keine Aktion der Jusos Stuttgart". Trotzdem: Dass man seinen Aufruf so gut angenommen habe, sei ein Zeichen für die herrschende Unzufriedenheit mit der FDP.

"Lieber grober Unfug am Telefon als in der Außenpolitik"

Auf der Homepage der Stuttgarter Jusos und auf der Facebook-SPD-Fanseite gehen die Meinungen über die Aktion auseinander. Einige Besucher sprechen von "Kindergartenniveau". Die Administratoren schlagen sich auf die Seite der Aktion:" Lieber grober Unfug am Telefon als in der Außenpolitik."

In der FDP-Zentrale in Berlin sieht man die Aktion laut einem Pressesprecher "mit einem Schmunzeln". Angeblich gehen nur vereinzelte Anrufe ein. "Und die werden freundlich behandelt." Nach einem Testanruf der Redaktion ("Tschuldigung, ich hab mich verwählt") wird der Telefonhörer jedoch wortlos aufgelegt. Beim nächsten Anruf geben wir uns dann zu erkennen. Der Kommentar am anderen Ende der Leitung zum Telefonterror: "War nicht so schlimm, hier rufen auch sonst viele Leute an." Weitere Schritte werden laut dem Pressesprecher nicht eingeleitet: "Wir lassen uns in unserer Arbeit nicht behindern." Wie auch - von "vereinzelten Anrufen"?

evg

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