Kommentar zu: Burka im Bürgeramt

Kommentar: Toleranzgrenze überschritten

Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Von Siegfried J. Michel

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Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens. Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg. Sie ist nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische und rechtliche Notwendigkeit. Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht ...“, heißt es in Artikel 1 der im Jahr 1995 von den Mitgliedstaaten der UNESCO verabschiedeten „Erklärung von Prinzipien der Toleranz“. Mit Recht darf man sagen, dass die Bundesrepublik ein Staat ist, in dem Toleranz, Demokratie und Freiheit gelebt werden, auch wenn es durchaus den einen oder anderen Schatten gibt. Wer Toleranz von der Gesellschaft für sich einfordert, muss dabei beachten, dass er dadurch nicht die Rechte und das Wohlbefinden anderer zur Seite fegt und das gelebte soziale Miteinander unterpflügt. Genau das aber tut die 39-Jährige, die von der Stadt Frankfurt fordert, es müsse akzeptiert werden, dass sie als überzeugte Muslimin künftig ihren Dienst im Bürgeramt nur noch in eine Burka gekleidet ableisten will. Die seit zehn Jahren bei der Kommune beschäftigte Deutsch-Marokkanerin hat mit ihrem Ansinnen die Grenzen der Toleranz überschritten. Unverständlich und die Rechtswirklichkeit negierend ist die Forderung zudem, wenn man bedenkt, dass das Bundesverwaltungsgericht bereits im Jahr 2004 ja sogar die Klage einer muslimischen Lehrerin gegen das Kopftuchverbot abgewiesen hatte.

Kopftuch ja - Burka nein

Was mag jetzt diese Frau antreiben? Ist es wirklich nur ihr Glaube? Das kann eigentlich nicht sein. Denn, das sagen selbst Muslime, im Koran gibt es kein Gebot der Vollverschleierung. Wollte sie eventuell für Schlagzeilen in den Medien sorgen? Wenn ja, dann ist ihr das gelungen. Die Frankfurter Burka-Story hat in kürzester Zeit in den Medien weit über den Rhein-Main-Raum hinaus ihren Niederschlag gefunden. Ihren Mitschwestern und -brüdern im Glauben tut die 39-Jährige damit aber keinen Gefallen, befeuert sie doch so eine nach dem Fall Thilo Sarrazin schon fast wieder eingeschlafene Debatte, die teils mit mangelndem Respekt voreinander geführt wurde, die Aus- und Abgrenzung befördert hatte.

Oder geht es der Frau einfach darum, (Steuer-)Geld einzusacken, wie in Zeitungen berichtet wird. Von 18.000 bis 40.000 Euro reichen die genannte Summen, die Anwälte der Frau von der Stadt Frankfurt als Abfindung für den Fall gefordert haben sollen, dass ihre Mandantin nicht in ihrer Burka Dienst tun darf und der Arbeitsvertrag aufgelöst wird. Bestätigt ist dies bisher nicht. Sollte es aber so sein, dann wäre das ein mieser und an Frechheit kaum zu überbietender Versuch von Abzocke. Und auch damit hätte die vierfache Mutter ihren muslimischen Mitbürgern in diesem Land einen Bärendienst erwiesen. Denn negative Schlagzeilen wirken sich leider oft auch auf Nichtbeteiligte aus.

Konsequent und richtigerweise heißt es aus dem Römer: Burka nein, Kopftuch wird akzeptiert. Das ist tolerant genug. Glaubenfreiheit ja, aber eine Burka passt und gehört absolut nicht in unser Gesellschaftssystem. Dies sehen in seltener Einmütigkeit auch die Parteien in der Stadt so.

Sollte die Frau wirklich den Klageweg einschreiten, so kommt es mit schon an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Bruchlandung für die Bürgeramtsmitarbeiterin und ihren rechtlichen Beistand. Und das wäre gut so.

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