Kommentar: Traurige Entwicklung

Täglich sind sie in Zeitungen und Magazinen zu sehen, die ergreifenden Bilder von weinenden Kindern und Müttern, die um Nahrung flehen. Auch das Fernsehen sendet immer wieder Filmsequenzen über das unvorstellbare Elend als Folge der Überschwemmungen in Pakistan. Von Peter Schulte-Holtey

Aber viele Menschen in den reichen Industrieländern sind in eine Schockstarre gefallen, anders ist es kaum zu erklären, warum das Leid so viele so wenig berührt, warum die Spenden nur so spärlich fließen; diejenigen Bundesbürger, die ansonsten durchaus zum Geben bereit sind, zögern. Beim verheerendem Erdbeben in Haiti wurde hundertmal mehr Geld zur Verfügung gestellt.

Sicherlich gibt es eine Reihe von Gründen für diese traurige Entwicklung. So ist Pakistan zu einem Synonym für Korruption, Terror, Taliban und Krieg geworden. Und die erstaunlich vielen Katastrophen-Nachrichten aus aller Welt hatten zuletzt zusätzlich verunsichert: Brände in Russland, Hochwasser in Sachsen, Überschwemmungen in China ... Vielleicht haben manche fast den Überblick verloren.

Inzwischen sollte aber klar geworden sein, wie sehr die Menschen in Pakistan unsere Hilfe brauchen. Denn das Ausmaß der Flutkatastrophe übersteigt bei weitem das des Tsunami 2004 in Südostasien. Damals starben über 230 000 Menschen. Pakistan beklagt bislang etwa 2000 Tote, doch diese Angaben werden nicht der Maßstab sein. Seuchen bereiten sich aus; es wird noch viele Opfer geben, denn fast ein Viertel Pakistans versinkt in den Fluten, 14 Millionen Menschen sind betroffen. Trinkwasser, Essen - es fehlt an allem. Nichtregierungsorganisationen haben bewiesen, dass sie schnell helfen können. Sie brauchen jetzt schnell Geld.

Die Unterstützung für Pakistan muss dringend intensiviert werden - unter anderem von den Regierungen, vor allem aus humanitären Gründen, aber auch aus wohlverstandenem politischen Eigennutz. Eine weitere Destabilisierung des Atomstaates hätte mit Blick auf die Lage im benachbarten Afghanistan unkalkulierbare Folgen für die internationale Politik.

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