Türkei setzt erneut Deutsche fest

Kommentar: Reisewarnung ist überfällig

Recep Tayyip Erdogan sammelt weiter fleißig deutsche Geiseln. Außenamtssprecher Martin Schäfer spricht von einer Fortsetzung des Albtraums und warnt, dass jeder in der Türkei mit einer Festnahme rechnen muss. Eine Reisewarnung wird trotzdem nicht ausgesprochen. Was ist denn das für eine verquere Logik? Von Frank Pröse

Muss das Auswärtige Amt bei Kenntnis eines Sachstands – „es kann jeden treffen“ – nicht vorbeugend warnen? Derweil schwafelt Angela Merkels Vertrauter Volker Kauder davon, dass man zunächst mit Erdogan über Menschen- und demokratische Grundrechte diskutieren soll, ehe man voreilig Konsequenzen ziehe.

Voreilig? Bei 55 deutschen Staatsangehörigen in türkischer Haft oder in Polizeigewahrsam und einer Serie von weiteren Unfreundlichkeiten und Provokationen durch Erdogan ist die Reisewarnung eine längst überfällige Reaktion auf diplomatischem Parkett. Mehr ist es nicht, denn niemand wird ernsthaft damit rechnen, dass eine solche Warnung jene abhielte, die sich heute schon nicht bremsen können, in die Türkei zu reisen.

Wer da noch hinfliegt, ist selbst schuld, zumal er/sie im Fall des Falles und einer möglichen Untersuchungshaft von sieben Jahren allenfalls damit rechnen kann, dass die Regierung in Gedanken bei ihm/ihr ist, wie es Regierungssprecher Steffen Seibert im Fall des inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel ausdrückte.

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Halt: Natürlich arbeitet die Regierung „täglich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für Yücels Freilassung und eine möglichst gute und intensive Betreuung“. Nach 200 Tagen Haft im türkischen Knast wird Deniz Yücel für dieses Engagement dankbar sein...

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