Überfälliger Schritt

Plan für Pflegereform: In den letzten 100 Jahren hat sich die Anzahl der über 65-Jährigen verfünffacht, die Zahl der über 80-Jährigen sogar verzwölffacht. Doch diese erfreuliche Statistik hat ihren Preis.

 Mit dem hohen Alter treffen uns massenhaft Krankheiten wie Demenz und Depressionen, an denen früher nur einzelne der wenigen Hochbetagten litten. Doch bislang ist die Pflegeversicherung nur darauf ausgerichtet, körperliche Leiden und Gebrechen zu versorgen. Wer sich noch selbst die Schuhe binden kann, ist kein Pflegefall, selbst wenn ihm durch Depressionen bedingte Ängste ein selbständiges Leben längst unmöglich gemacht haben.

Jetzt wurde ein Konzept erstellt, das Pflegebedürftigkeit neu definiert, sie weiter fasst und auch altersverwirrte Menschen einbezieht. Ein überfälliger Schritt, der mehr Gerechtigkeit schafft. Denn mittlerweile gibt es in Deutschland über 1,1 Millionen Demenzkranke, die dringend Hilfe brauchen.

Natürlich wird das Geld kosten. Und damit ist der Streit um Beitragserhöhungen programmiert. Doch wir müssen der Realität ins Auge schauen, dass eine alternde Gesellschaft - soll die Würde im letzten Lebensabschnitt wenigstens ansatzweise erhalten bleiben - ihre Kosten neu verteilen muss.

Nachgedacht werden sollte aber auch über eine neue Organisation von Leistungen. So wie Pflegebedürftigkeit mit fünf Stufen präziser erfasst werden kann, so könnte sie bei häuslicher Pflege durch unterschiedliche Kräfte abgedeckt werden. Nicht in jedem Fall braucht es ausschließlich ausgebildete Pfleger. Gerade, was die Begleitung oder Beaufsichtigung von Altersverwirrten im Anfangsstadium anbelangt, sind Hilfen aus der Nachbarschaft oft näherliegend. Zumindest in diesen Fällen könnte mit weniger Geld mehr bewirkt werden.

politik@op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare