Übler Geist von der Spitze

Datenaffäre bei der Bahn: Wer beim Riesenkonzern Bahn mit der Vergabe von Aufträgen - etwa beim Fuhrpark oder bei Baumaßnahmen im In- wie im Ausland - zu tun hat, der nimmt regelmäßig viel Geld in die Hand.

Damit wird er potenziell zur Zielscheibe für Firmen, die bereit sind, für den „Kauf“ eines Bahn-Auftrags ebenfalls eine Stange Geld in die Hand zu nehmen.

Der Kreis der in diesem Biotop möglicher Korruption potenziell Aktiven dürfte sich indes von der Konzernführung sehr wohl einschränken lassen. Und er dürfte weit weniger als jene mehr als 170 000 Mitarbeiter umfassen, die ins sehr eigene Überwachungs-Schema der Bahn passten - womit der Begriff Rasterfahndung nur allzu angebracht ist. Denn: Welcher gemeine Zugbegleiter, welcher Lokführer taugt schon als Zielscheibe für Bestechungsmanöver bestehender oder möglicher künftiger Auftragnehmer der Bahn?

Schon mit den jetzt vorliegenden Fakten drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass die Konzernspitze im Umfeld eines Klimas allumfassenden Misstrauens darauf hinarbeiten ließ, die Bahn zu einem in sich dicht geschlossenen Überwachungsstaat im Staate zu machen. Und das 19 Jahre nach dem Ende der Stasi.

Für das breit angelegte „Screening“, das neben Mitarbeitern teilweise auch deren Familien einbezog, bediente sie sich einer Firma, die schon durch ähnliche Aktionen bei der Telekom und anderen Großunternehmen einschlägig bekannt wurde.

Die Zutaten stimmen: zu einem Datenskandal, der mit Korruptions-Vorbeugung beim besten Willen nicht mehr zu erklären ist. Zwei Drittel der Bahn-Belegschaft wurden ohne konkreten Anlass und ohne anschließende Information bespitzelt. Dass der Schnüffel-Aufwand das Ergebnis nicht einmal im Ansatz rechtfertigt, zeigt, welch übler Geist von der Spitze aus heute durch den staatlichen Schienenkonzern weht.

politik@op-online.de

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