Befristete Jobs für Junge

Kommentar: Untragbarer Zustand

Die Jugend ist die Zukunft für unser Land. Diese Worte nehmen Politiker nur zu gerne in den Mund, die gelebte Praxis sieht inzwischen aber ganz anders aus. Immer mehr junge Menschen werden im Erwerbsleben an den Rand gedrängt. Von Siegfried J. Michel

Laut einer Studie der IG Metall sind heute rund 54 Prozent der Erwerbstätigen unter 25 Jahren prekär beschäftigt, das heißt in Leiharbeit, befristeten Jobs, Praktika oder in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Das ist ein untragbarer Zustand. Eigentlich soll es doch so aussehen: Eine gute Ausbildung absolvieren, dann ab ins Berufsleben, Geld verdienen, und wenn alles gut läuft - mit Partner beziehungsweise Partnerin Kinder in die Welt setzen.

Wenn aber der Start ins Berufsleben über Jahre geprägt wird von Unsicherheit und damit einhergehend Frust und Verzicht, werden viele der Betroffenen derartige Lebensplanungen hintanstellen. Das ist eine ungesunde Entwicklung für das Staatswesen. Zu verantworten haben diesen negativen Trend Politik und auch zahlreiche Unternehmen.

Mit vollem Recht fordern deshalb nicht nur Gewerkschaften einen Kurswechsel. Wer einen Großteil der jungen Generation derart ausgrenzt, spielt nicht nur mit den Betroffenen ein grausames Spiel, sondern unterminiert auf lange Sicht auch die Grundmauern des Industriestandortes Deutschland. Wer über Fachkräftemangel jammert, der muss - dies gilt für Politik und Wirtschaft - der jungen Generation auch sichere Perspektiven im Berufsleben bieten. Mit einer Billiglohn-Strategie und Zeitjobs geht das nicht. 82 Prozent der jungen Menschen sprachen sich übrigens in der Umfrage für Mindestlöhne und 71 Prozent für die Begrenzung von Leiharbeit aus. Man sollte auf sie hören.

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