Kommentar: Unwürdiges Spiel

Gut, dass der Vatikan diesmal schneller reagiert hat. Aber auch die erneute Erklärung von Richard Williamson enthält nicht das, was die Kirchenleitung in Rom verlangt hat: Einen glasklaren Widerruf seiner Leugnung der Judenvernichtung.

Drei Wochen nach der ultimativen Forderung aus Rom gibt der erzkonservative Bischof den Ball an den offenbar immer perplexeren Vatikan zurück. Dieses unwürdige Spiel, das der Brite seit Wochen treibt, erwischt die Kirche der mehr als 1,1 Milliarden Gläubigen immer wieder von neuem auf dem falschen Fuß. Wie lange will sich Papst Benedikt XVI. eigentlich noch von dem Unbelehrbaren auf der Nase herumtanzen lassen und so riskieren, dass seine Autorität und die der Katholischen Kirche weiter beschädigt wird - vor allem und gerade in Deutschland.

Natürlich kann der Papst nichts dafür, wenn seine Verwaltungsbehörden mit Blindheit geschlagen sind und die großen Auswirkungen der Affäre zunächst gar nicht erkannt haben. Aber er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den viele engagierte Katholiken erheben: Dass Rom die erzkonservativen bis rückständigen Gruppen am Rand der Kirche zunächst zuvorkommender behandelt hat als die Neuerungsbestrebungen anderer - vor allem der Befreiungstheologen.

Immer intensiver sollte der Vatikan mit der entscheidenden Frage konfrontiert werden: Warum weiterhin ein Brückenbau für solche Gruppen vom extremen Rand, wenn dadurch zugleich mühsam gefertigte Gerüste für Ökumene und den Dialog mit anderen Religionen vom Einsturz bedroht sind? Der Vatikan bedarf struktureller Modernisierungen.

peter.schulte-holtey@op-online.de

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