Sarrazins Thesen

Kommentar: Verlust des Vertrauens

Die Bundesbank hat es auch nicht leicht. Dass der Vorstand den Kollegen Thilo Sarrazin wegen seiner kruden Thesen zur Ausländerpolitik gerne los wäre, macht er mehr als deutlich. Offenbar fehlen ihm bislang nur die Mittel. Von Martin Krigar

„Fortwährend und in zunehmend schwerwiegendem Maße“ habe Sarrazin seine Verpflichtungen missachtet und der Bundesbank „Schaden zugefügt“, teilte der Vorstand gestern mit - eine außergewöhnliche Äußerung für die sonst so zurückhaltenden Banker. Jeder normale Arbeitnehmer müsste bei einer solchen Beurteilung den Hut nehmen, schon allein weil kein Vertrauensverhältnis mehr besteht.

Thilo Sarrazin allerdings, längst angekommen im Rentenalter, will (noch) nicht gehen. Genauso wenig wie er die SPD verlässt (in der ihn auch niemand mehr haben will). Er weiß warum. Bei einem einfachen Rentner würden wirre Äußerungen über das Erbgut von Juden als beginnender Alterswahnsinn eingestuft. Thilo Sarrazin hingegen - der dem vermeintlichen Anliegen längst mehr schadet als nutzt - findet Gehör gerade wegen der Verknüpfung seiner Provokationen mit den Gütesiegeln „Bundesbank“ und „SPD“.

Beide Institutionen haben das Recht, vielleicht sogar die Pflicht, dem Provokateur ihre Unterstützung zu entziehen. Auch in einer Demokratie kann niemand gezwungen werden, jeder noch so fragwürdigen „freien Meinungsäußerung“ eine wohlige Heimat zu geben.

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