Guttenbergs Probleme

Vorsicht, Siegfried!

Es als Minister der Opposition (und den Zeitungs-Kommentatoren) recht zu machen, ist ein mühsames Geschäft. Von Georg Anastasiadis

Diese Erfahrung haben nun hintereinander die CSU-Bundesminister Aigner und zu Guttenberg machen müssen: Einen Abgrund an Kungelei mit der „Futtermittel-Mafia“ diagnostizierten flugs Grüne und SPD, als Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner im Dioxin-Skandal zunächst auf Aufklärung und dann erst auf Sanktionen setzen wollte. Gerade umgekehrt verhält es sich in der Gorch-Fock-Affäre: Hier tobt der Sturm, seitdem Verteidigungsminister zu Guttenberg nicht lange fackelte und den in die Schusslinie geratenen Kapitän kurzerhand vom Dienst suspendierte. Jetzt klagen selbst grüne Berufspazifisten, die sonst jeden albernen Rekrutenstreich zur existenziellen Bundeswehrkrise aufblasen, die Vorkommnisse an Bord hätten erst gründlich aufgeklärt werden müssen.

„Skandal“ zu rufen, wo am Ende (vielleicht) keiner ist, gehört zur Job-Beschreibung eines Oppositionspolitikers. Gefahr droht Guttenberg freilich weniger von SPD und Grünen als von anderer Seite: Mit der Beurlaubung des Gorch-Fock-Kapitäns - ein beispielloser Vorgang - hat Guttenberg die Kommandeursebene gegen sich aufgebracht. Störfeuer aus der Truppe muss der Minister künftig einkalkulieren. Noch unberechenbarer ist für ihn das Verhalten der eigenen Parteifreunde. Viele der grauen Mäuse im Parteiapparat neiden ihm die überragende Popularität, die er das CSU-Establishment wiederholt hat spüren lassen. Mit Heckenschützen ist jederzeit zu rechnen. Die Umsetzung der Bundeswehrreform bietet viele Gelegenheiten, mit dem Liebling der Basis abzurechnen: Der Streit um die Einhaltung der Sparziele tobt bereits. Und der Grabenkampf um den Erhalt jeder einzelnen Kaserne steht erst noch bevor. Schon lässt Parteifreund Seehofer die Muskeln spielen.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist Deutschlands Wunderpolitiker. Aber er ist, wie Drachentöter Siegfried in der Nibelungen-Sage, nur scheinbar unverwundbar. Eine Prätorianergarde treuer Parteifreunde, die ihn vor dem Fall bewahren könnte, hat er nicht. Was ihn schützt, ist nur die Liebe des Volkes. Er wird sie mehr denn je brauchen können.

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