Kommentar: Wende wird Marathonlauf

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Peter Schulte-Holtey

Fukushima - war da mal was? Am ersten Jahrestag des Atomunglücks in Japan werden wir mit Macht an den GAU erinnert - und die Folgen: Da ist am 11. März 2011 die Illusion von der Beherrschbarkeit der Atomspaltung endgültig und restlos geplatzt. Von Peter Schulte-Holtey

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat im vergangenen Jahr spät gehandelt. Doch dann wurde erstaunlich und radikal auf die mit unvorstellbarem Leichtsinn herbeigeführte Katastrophe reagiert: Atommeiler gingen binnen Tagen vom Netz. Es folgten wegweisende Beschlüsse: vollständiger Atomausstieg bis 2022, dazu eine Verdoppelung des Ökostromanteils, ein Ausbau der Netze, mehr Investitionen in die Gebäudesanierung und eine Steigerung der Energieeffizienz. Es ist eine energiepolitische Revolution, die Fukushima in Deutschland ausgelöst hat.

Viel Gerede, zu wenig Ertrag

Dabei wird auch bei der aktuellen Debatte über die Kürzung der Solarförderung deutlich, dass die Energiewende kein Sprint wird, sondern ein Marathonlauf. Es gab in den letzten Jahren einen gigantischen Zubau an Solaranlagen, der über den Erwartungen lag. Und trotz der geplanten Kürzungen bei der staatlichen Förderung deutet einiges darauf hin, dass Photovoltaik-Anlagen nach wie vor errichtet werden. Die Vorteile für Privathaushalte liegen ja weiter auf der Hand, bestätigen Energieexperten.

In der Diskussion über die vielen Mängel bei der Energiewende sollte man sich nicht ablenken lassen. Effektiver ist die Konzentration auf tatsächliche politische Unterlassungen. Denn seit dem Einstieg in den Ausstieg wurden zu wenige Stromtrassen gebaut, zu wenige Windparks projektiert, zu wenig Energiespargesetze beschlossen.

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