Kinderlärm

Kommentare: Willkommen im Leben!

Kinder in Wohngebieten werden in Deutschland bislang wie Gewerbebetriebe behandelt. Heißt: Sie unterliegen als „schädliche Umwelteinwirkung“ dem Immissionsschutzgesetz des jeweiligen Bundeslandes.  Von Ralf Enders

Das klingt nicht nur furchtbar, das ist es auch. Denn es ebnet lebensfremden Streithanseln den Weg zum Gericht - und zum Erfolg ebendort. Kindertagesstätten oder Spielplätze können so verhindert oder vertrieben werden. Auch das Bürgerliche Gesetzbuch, das Bau- oder das Mietrecht bieten genervten Nachbarn zahlreiche Hebel im „Kampf“ gegen lärmende Kinder.

Höchste Zeit, dass die Bundesregierung mit einer Änderung des übergeordneten Bundes-Immissionsschutzgesetzes die unglaublichen Klagen erschwert. Juristische Klarheit sollte auch deswegen her, weil ab 2013 jedes Kind unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz hat. Dafür fehlen in den deutschen Städten und Gemeinden noch mindestens 400 000 Plätze.

Zur Akzeptanz spielender und dabei gewiss auch lärmender Kinder braucht es keine platten Parolen wie „Kinderlärm ist Zukunftsmusik“, sondern eine natürliche Einstellung zum Leben und allem, was damit zusammenhängt. Wenn sich die künftigen Rentenbeitragszahler spielerisch entfalten wollen und ihren Alterskollegen dabei etwas mitzuteilen haben, sollen sie dies ungestraft tun dürfen.

Anders liegt der Fall freilich, wenn der 13-Jährige nachts um 1 mit seinen Kumpels auf die Idee kommt, die Anlage zu testen oder die Fangesänge fürs Stadion einzustudieren. Geht halt nicht, aber dafür braucht‘s kein Gesetz, sondern Eltern, die klare Ansagen machen.

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