Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst gibt Entwarnung / Messstation auch in Offenbach

„Wir müssen uns keine Sorgen machen“

Gerhard Lux

Offenbach ‐ Für Deutschland besteht nach Angaben des Meteorologen Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach durch die Katastrophen in japanischen Atomkraftwerken keine direkte Gefahr. „Wir müssen uns in Europa keine Sorgen machen“, sagt der Experte im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey. Die Partikel bräuchten viele Tage, um nach Deutschland zu gelangen - und wären so stark verdünnt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Grenzwerte überschritten würden.

Wie gefährlich wäre eine radioaktive Wolke aus Japan?

Wir in Europa müssen uns keine Sorgen machen, weil die Entfernung zum Unglücksort sehr, sehr groß ist. Die Meteorologie sagt, dass derzeit fast alle Luftströmungen von den betroffenen Gebieten aus in Richtung Pazifik fließen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass eine radioaktive Wolke vorübergehend auch in Richtung der japanischen Küste treiben könnte. Das Schlimmste, was bei einem Super-GAU in Japan geschehen könnte, wäre ein Niederregnen einer radioaktiven Wolke über Tokio.

Global gesehen, bleibt es also vor allem ein lokales Problem?

Ja! Natürlich reisen die Luftpartikel irgendwann auch um die Erde. Bei der Verteilung der Radioaktivität aus dem beschädigten Reaktor käme es sehr darauf an, wie hoch die strahlenden Stoffe steigen. Denn in unterschiedlichen Höhen weht der Wind in verschiedene Richtungen. Aber auch wenn die Partikel besonders schnell unterwegs wären, würde es mehr als eine Woche dauern bis sie uns erreichen. Doch unterwegs verwirbeln sie ja auch, sie werden stark verdünnt oder sogar ausgewaschen. Wenn Partikel uns erreichen sollten, dann werden die sehr empfindlichen Messgeräte es sofort registrieren. Es gibt ja gewisse Charakteren bei den Partikeln; wir untersuchen sie und können dann feststellen, woher die Stoffe kommen. Für uns steht aber weiterhin fest: Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass bei uns in Deutschland Grenzwerte überschritten würden.

Seit der Tschernobyl-Katastrophe ist die Messtechnik ja stark verbessert worden. Beruhigt Sie das?

Die Technik hat seit 1986 einen großen Sprung gemacht. Heute haben wir Nachweisgrenzen, die deutlich unter dem liegen, was damals galt. Man kann inzwischen kleinste Mengen bzw. Spuren feststellen. Wenn irgendwo irgendetwas nicht in Ordnung ist, fällt das sofort auf. Durch einen entsprechenden Vergleich und genauere Analysen können wir beim DWD auch feststellen, um welchen Verursacher es geht, ob es ein chemischer, radiologischer oder medizinischer Betrieb ist. Es gibt ja Charakteristiken, die eindeutig sind und einen exakten Hinweis geben, um welche Art von Radioaktivität es sich handelt.

Wird auch in Offenbach vom Wetterdienst gemessen?

Ja! Wir haben hier auf dem Gelände des DWD an der Frankfurter Straße eine Messstelle; insgesamt verfügen wir über 48 - über Deutschland verteilt, vor allem an den Außengrenzen. Die Überwachung von Radioaktivität in Luft und Niederschlag gehört ja zu unseren Aufgaben als nationaler Wetterdienst. Wir messen also in der Luft und mittels Regensammler. Und das Bundesamt für Strahlenschutz, mit dem wir eng zusammenarbeiten, betreibt 1800 Einrichtungen, die ebenfalls die Radioaktivität in Deutschland messen. Die Daten kann man Online unter http://odlinfo.bfs.de einsehen.

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