Wulff in Ankara: "Gegen jedes Pauschalurteil"

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Bundespräsident Christian Wulff besucht gemeinsam mit seiner Frau Bettina und einer 15-köpfigen Wirtschaftsdelegation die Türkei und bezieht klar Stellung zur Integrationsdebatte.

Ankara - Bei seinem Türkei-Besuch machte Bundespräsident Wulff unmissverständlich klar: Er wehrt sich gegen jedes Pauschalurteil in der Integrationsdebatte, es gebe aber inakzeptable Abschottung.

Bundespräsident Christian Wulff hat sich zum Auftakt seines Türkei-Besuchs gegen einen Zuzugstopp für Zuwanderer aus der Türkei gewandt, wie er von CSU-Chef Horst Seehofer verlangt wird. Wulff sagte in einem Interview: “Zu behaupten, eine ganze Gruppe könne und wolle sich nicht integrieren, halte ich für falsch. Ich wende mich gegen jedes Pauschalurteil.“ Wulff verlangte aber von Zuwanderern, dass sie die deutsche Sprache lernen. “In streng religiösen Milieus gibt es bei diesem wichtigen Thema nicht akzeptable Abschottungen und Auffassungen, die mit unserer Rechtsordnung nicht vereinbar sind“, sagte Wulff der türkischen Tageszeitung “Hürriyet“ (Dienstag) weiter.

Bundespräsident Wulff auf Türkei-Besuch

Bundespräsident Wulff auf Türkei-Besuch

Alle Menschen, die in Deutschland leben, müssten “die Werte unserer Verfassung anerkennen, Respekt vor unserer Gesellschaftsordnung haben und respektieren, wie wir leben.“ Wulff hatte am Tag der Einheit gesagt, der Islam sei inzwischen Teil der deutschen Lebenswirklichkeit. Er erntete damit großes Lob von der türkischen Führung und Kritik aus Teilen der Union.

Wulff begann am Mausoleum des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk in Ankara den offiziellen Teil seines Besuches. Er legte einen Kranz an dem Grabmal nieder. Anschließend wollte der türkische Präsident Abdullah Gül den deutschen Gast mit militärischen Ehren empfangen. Der politische Höhepunkt des Tages sollte am Nachmittag die erste Rede eines deutschen Präsidenten vor dem türkischen Parlament sein. Wulff war am Vorabend in Begleitung seiner Frau Bettina und einer 15-köpfigen Wirtschaftsdelegation in Ankara eingetroffen.

dpa

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