Wulff reist ins Katastrophengebiet von Fukushima

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Bundespräsident Christian Wulff (l) besuchte  Bewohner einer Behelfswohnsiedlung in der Stadt Iwaki in der Präfektur Fukushima, Japan.

Iwaki - Bundespräsident Christian Wulff ist am Dienstag im Katastrophengebiet der Provinz Fukushima eingetroffen, um mit Opfern und Hinterbliebenen der schweren Zerstörungen vom März 2011 zu sprechen.

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Bundespräsident Christian Wulff hat bei einem Besuch im Katastophengebiet von Fukushima Opfern und Hinterbliebenen weitere Hilfe aus Deutschland zugesagt. In Iwaki, etwa 50 Kilometer von der Stadt Fukushima entfernt, traf Wulff am Dienstag Menschen, die nach dem Reaktorunfall ihre Häuser verlassen mussten. Auch sieben Monate nach Erdbeben, Tsunami und Atomunfall leben noch Tausende in Behelfwohnsiedlungen. Etwa 16 000 Menschen kamen damals ums Leben, 4000 gelten noch als vermisst.

Bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Tsukuba-Universität in Tokio hatte Wulff zuvor den Atomausstieg in Deutschland als “Jahrhundertprojekt“ bezeichnet und mit dem Plan zur Mondlandung verglichen. Im Gegensatz zum amerikanischen “Man on the Moon Project“ der 60er Jahre vollziehe sich die Energiewende in Deutschland in vielen kleinen Schritten. Dazu gehörten Fortschritte bei der Energieeffizienz, wo Japan Vorreiter sei.

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Die Katastrophe von Fukushima zeige, wie weitreichend die Folgen einer Verkettung mehrerer Ausfälle sein können, sagte Wulff vor der Universität weiter. Deshalb müsse immer auch das “Undenkbare“ mitgedacht werden. Zugleich müsse Fortschritt mit Nachhaltigkeit einhergehen. Angesichts des Klimawandels werde deutlich, dass Wachstum künftig von immer höherem Ressourcenverbrauch abgekoppelt werden müsse.

Die Welt muss sich nach den Worten von Wolff die Begeisterungsfähigkeit für technische Neuerungen unbedingt erhalten, gleichzeitig aber, etwa bei der Stammzellenforschung, grundsätzliche Diskussionen um den Wert und die Würde menschlichen Lebens führen. Technischer Fortschritt müsse immer auch an ethischen Grundfragen gemessen werden. “Nicht alles, was technisch machbar ist, soll auch wirklich gemacht werden.“

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Zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik sagte Wulff, wissenschaftliche Expertise müsse gesellschaftliche und politische Willensbildung stets begleiten. Die Entscheidungsfindung selbst aber müsse bei den gewählten Volksvertretern liegen.

Um den Zusammenhalt der Generationen nicht zu gefährden, dürfe die jetzige Generation nicht durch ein Leben auf Pump den Wohlstand der Zukunft verbrauchen. “Das gilt für unsere private und staatliche Verschuldung, aber auch für unseren Umgang insgesamt mit den Ressourcen“, sagte Wulff.

dpa

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