Arbeitsmarkt im Aufwind

Wundersame Statistik

Vom „Jobwunder“ ist die Rede. Und davon, wer es vollbracht hat. Da sich der Arbeitsmarkt auf dem Niveau der Vorkrisenzeit eingependelt hat, drängen sich die Politiker ins Rampenlicht. Allen voran hat die Arbeitsministerin sich und ihrer Koalitionsregierung einen Lorbeerkranz flechten wollen. Das ist gründlich daneben gegangen. Zu durchsichtig war der PR-Gag zulasten der Bundesanstalt für Arbeit, die erst gestern verkaufen durfte, was Ursula von der Leyen tags zuvor recht forsch als Erfolg für Union und FDP reklamiert hatte. Imagewerbung tut eben Not in Zeiten verheerender Umfragewerte. Von Frank Pröse

Im politischen Raum lässt es sich trefflich darüber streiten, wer das Lob dafür einheimsen darf, dass heute Sonderschichten gefahren werden, wo noch vor wenigen Monaten über Kurzarbeit geklagt wurde. Eine Analyse abseits der Politshow zeigt freilich, dass sich viele die Hände reichen dürfen. Zur historischen Zäsur bei den Arbeitslosenzahlen haben die Regierung Schröder, die Große Koalition und schließlich auch Schwarz-Gelb beigetragen. Nicht zu vergessen sind aber Arbeitgeber und Gewerkschaften sowie Arbeitnehmer, die die Vorgaben zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und maßvolle Tarifabschlüsse mit Leben erfüllt haben. Die überdurchschnittlich gute Konjunktur wirkte als zusätzlicher Jobmotor. Und weil die Politik es dieses Mal vermied, der Wirtschaft Steine in den Weg zu legen, war das „Wunder“ wohl nicht zu verhindern.

Zur Wahrheit jenseits regierungsamtlicher PR-Strategien gehört freilich auch, dass massenhaft neue, aber oft niedrig entlohnte Arbeitsplätze geschaffen wurden. Verschwiegen werden darf auch nicht, dass die Zwei vorm Komma nicht der Wahrheit entspricht. Das ist zwar kein Aufreger mehr. Man sollte es aber festhalten. Auch andere Regierungen haben manipuliert, indem mal die, mal jene Personengruppe aus der Statistik herausgerechnet wurde.

Im Rausch der von der Regierung so geschönten Zahlen sollte freilich nicht vergessen werden, dass selbst bei einer amtlichen Arbeitslosenzahl von knapp unter drei Millionen bei nüchterner Betrachtung noch viel zu tun bleibt. Denn immer noch finden mindestens zwei Millionen Menschen selbst in diesen florierenden Zeiten keinen Job. Und noch gibt es zu viele befristete und zu viele schlecht bezahlte Stellen. Das lässt sich ändern - auch ohne wundersame Hilfestellung.

@frank.proese@op-online.de

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