Ära Mubarak beendet

Kommentar: Zeitenwende in Nahost

Husni Mubarak, der letzte Pharao, ist Geschichte. 18 Tage Massenproteste haben das 30 Jahre herrschende Regime des Despoten gekippt. Von Frank Pröse

Das Feuerwerk am Himmel über Kairo drückt die unbändige Freude der Ägypter über den Rücktritt ihres verhassten Präsidenten aus, aber auch die Hoffnung auf einen politischen Neuanfang ohne Korruption, Zensur, Verhaftung und Folter.

Sicher ist der Weg dahin nicht. Immerhin liegen die präsidialen Vollmachten nun bei der Armeeführung, die auch aufgrund ihrer Zurückhaltung während der Proteste das Vertrauen der Bevölkerungsmehrheit genießt, aber schließlich bis gestern selbst Teil des Mubarak-Systems gewesen ist. Wer sagt denn, dass die Generäle allen hehren Versprechungen zum Trotz ihre Pfründe nicht verteidigen wollen? Die traditionell enge Verflechtung zwischen Politik und Militär, dieses überaus stabile System muss aufgebrochen werden, damit die Armee in eine ernstzunehmende Rolle als Reichsverweser auf Zeit schlüpfen kann. Noch fehlen für diesen Kraftakt unbelastete zivile Anführer mit Charisma.

Auch wenn wir im Westen keinen der handelnden und gehandelten Personen kennen, so gibt es doch gute Gründe für eine optimistische Grundstimmung, dass sich in Ägypten alles zum Guten wendet. Ob das letztlich in freie Wahlen mündet, ist so wünschenswert wie fraglich. Bisher eint die Protestbewegung programmatisch freilich allein die Ablehnung des alten Regimes. Wie aber werden sich die Oppositionsparteien im Kampf um die Macht politisch aufstellen? Und können radikale Kräfte im Zaum gehalten werden? Die offenen Fragen zeigen, dass der Übergang in die allseits gewünschte Demokratie kein Selbstläufer ist. Noch ist der Wandel am Nil mit Risiken befrachtet.

Die in Ägypten bisher so erfolgreich verlaufene Revolution wird freilich Oppositionellen in der gesamten arabischen Welt Auftrieb geben. Das ist die zweite Dimension dieses friedlichen Aufstands in Kairo. Nach dem Erfolg der Demokratiebewegungen in Tunesien und Ägypten wird kein Autokrat in Nahost mehr ruhig schlafen können. Sympathiekundgebungen gab es bereits in Jordanien, Syrien und im Gaza-Streifen. Dort wittern sie schon Freiheit und Selbstbestimmung. Vielleicht wird der gestrige Tag sogar zum Fanal für alle anderen unfreien Völker dieser Welt. Es wäre eine der willkommenen Globalisierungsvarianten, die moderne Informationstechniken erst möglich machen.

In diesem Sinne viel Glück und Erfolg den Ägyptern! Sie machen Hoffnung auf die Zukunft und haben sich den Respekt der freien Welt redlich verdient. Jetzt fehlt ihnen nur noch Fortune, Durchhaltvermögen auf einem äußerst beschwerlichen Weg und die Kraft, den ideologischen Werbefeldzügen radikaler Islamisten widerstehen zu können, auch wenn die Demokratie nicht allen Wohlstand bringen wird. Die Perspektivlosigkeit ist immerhin schon überwunden.

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare