Mehr Väter nehmen Elterngeld

Kommentar: Ziel verfehlt

„Unverzichtbarer Bestandteil moderner Familienpolitik.“ „Familienväter sind auf dem Vormarsch. “ Jetzt klopfen sie sich wieder auf die Schultern in ihrem Berliner Wolkenkuckucksheim: Immer mehr Väter nehmen Elterngeld in Anspruch. Von Ralf Enders

Gewiss ist die Entwicklung begrüßenswert. Doch sie kann nicht darüber hinwegtäuschen: Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Etwa fünf Milliarden Euro lässt sich der Staat die Leistung im Jahr kosten. Die Geburtenrate aber sinkt stetig, im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent. Das führt zum einfachen Schluss: Das Elterngeld verfehlt sein Ziel.

Immerhin ist es von seiner Konzeption her - junge Akademiker zum Kinderkriegen zu bewegen - kein ganz so großer Unsinn wie das Betreuungsgeld, dessen einzige Daseinsberechtigung es ist, den brüchigen Koalitionsfrieden halbwegs zu wahren.

So sind all diese Maßnahmen nur Symptome einer seit Jahrzehnten missratenen Familien- und Bildungspolitik. Nach dem Motto: Mehr Geld für Familien, quasi bar auf die Hand, bringt relativ sichere Wählerstimmen.

Nicht in Sicht sind dagegen nachhaltige Maßnahmen für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, für die gesicherte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vor allem für die Bildung. Eine Studie nach der anderen bescheinigt Deutschland hier - freundlich formuliert - Nachholbedarf. Was wir aber immer noch haben sind marode Schulgebäude, miserabel bezahlte Erzieher, viel zu wenig Kita-Plätze und befristete Lehrer-Jobs wie bei Saison-Arbeitern.

Dorthin sollten die Milliarden fließen, dann wäre den Familien mehr geholfen.

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