Im Zweifel für das Opfer

In einem Rechtsstaat haben auch Täter Rechte. Dazu gehört, dass sie ein faires Verfahren bekommen, in dem auch die jeweiligen persönlichen Hintergründe eine Rolle spielen. Das ist ein Recht, an dem nicht gerüttelt werden darf.

Falsch war hingegen, dass in dieser Fokussierung auf den Täter, diejenigen, die am meisten unter der Tat zu leiden haben, über Jahrzehnte keinerlei Beachtung fanden: die Opfer. Es war brutaler Alltag, dass eine missbrauchte Frau stundenlang zum Hergang der Vergewaltigung befragt wurde - und dabei neben ihrem Peiniger sitzen musste.

Eine furchtbare Schieflage, die auch dank des großen öffentlichen Protestes nach und nach gerade gerückt wird. Schon die erste Novelle des Opferschutzgesetzes brachte hier deutliche Verbesserungen. Gut, dass Bundesjustizministerin Brigitte Zypries nicht locker ließ, und gemeinsam mit Opferschutzverbänden eine weitere Optimierung erarbeitet hat.

Sowohl im Bereich der Nebenklage-Möglichkeiten als auch in der finanziellen Unterstützung sind wichtige Ergänzungen auf den Weg gebracht. Auch außerhalb des Gerichtssaales gibt es viel zu tun. Hier ist besonders die Polizei gefragt, Gewaltopfer sehr früh nicht nur auf ihre Pflichten, sondern auch auf ihre Rechte hinzuweisen.

Die Opfer tragen meist ihr Leben lang schwer an den Folgen der erlittenen Gewalt. Es muss alles dafür getan werden, dass der Prozessverlauf für sie so schonend wie möglich gestaltet wird. Hier sollte gelten: Im Zweifel für das Opfer. Die Gesetzesnovelle geht dabei in die richtige Richtung.

politik@op-online.de

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