EZB erhöht Druck

Zyperns Banken droht am Dienstag der Kollaps

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Menschen versuchen in Zypern ihr Glück an Geldautomaten. Doch die Banken sollen alle bis Dienstag geschlossen bleiben. Das schließt auch die Automaten ein.

Nikosia - In fieberhafter Eile hat die Regierung des überschuldeten Euro-Staats Zypern einen "Plan B" zur Rettung vor der Pleite geschmiedet. Scheitert er, droht den Banken schon am Dienstag der Kollaps.

Zypern plant einen neuen Anlauf zur Lösung der dramatischen Bankenkrise. Präsident Nikos Anastasiades will am Donnerstag den Parteivorsitzenden Zyperns eine neue Version des Rettungsprogramms vorlegen. Wie mehrere Politiker am späten Mittwochabend im zyprischen Fernsehen sagten, könnte - vorausgesetzt dass es zu einer Einigung kommt - schon am Donnerstagabend im zyprischen Parlament darüber abgestimmt werden.

Die Zeit ist denkbar knapp, denn die Europäische Zentralbank (EZB) garantiert ihre Nothilfe für die zyprischen Banken nur noch bis kommenden Montag, 25. März. Danach würden die Gelder nur noch fließen, wenn ein Rettungsplan von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Kraft sei, der die Solvenz der Banken sichere, teilte die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mit.

Die zwei größten Banken des Inselstaates sollen faktisch zahlungsunfähig sein und werden nur in Erwartung auf Hilfen am Tropf gelassen. Die EZB hält das Finanzsystem mit Notkrediten (ELA) am Laufen. Das zyprische Bankensystem gilt mit Einlagen von 70 Milliarden Euro - bei einer Wirtschaftsleistung in Zypern von nur rund 18 Milliarden Euro - als extrem aufgebläht.

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Der "Plan B" des zyprischen Präsidenten sieht den Informationen zufolge unter anderem eine „gemilderte“ Zwangsabgabe für Bankeinlagen vor. Summen unter 100.000 Euro würden dabei nicht angetastet, berichteten einige Politiker. Andere meinten, diese Einlagen sollen mit drei Prozent belastet werden.

Außerdem soll es wohl künftig auch einen Fonds geben, der Staatsanleihen ausgibt. Sie sollen demnach von Rentenkassen und der Kirche sowie anderen Institutionen Zyperns gekauft werden. Darüber hinaus hofft Zypern nach wie vor auf Unterstützung aus Russland - die Banken des Mittelmeer-Landes sind ein beliebte Adresse bei russischen Investoren. Immer wieder wurden auch Geldwäsche-Vorwürfe laut, die Zypern zurückweist. Das Treffen des Präsidenten mit den Parteivorsitzenden soll um 9.30 Uhr Ortszeit (8.30 MEZ) beginnen.

Der ursprüngliche Rettungsplan, der mit den Euro-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds ausgearbeitet wurde, sah eine Abgabe von 6,75 Prozent auf Einlagen unter 100.000 Euro und 9,9 Prozent auf höhere Summen vor. Das sollte 5,8 Milliarden Euro einbringen. Das Hilfsprogramm wurde vom zyprischen Parlament aber abgelehnt.

Kirche und Rentenkassen sollen Staatsanleihen kaufen

Das hoch verschuldete Euro-Land muss möglichst schnell eine Selbstbeteiligung von 5,8 Milliarden Euro am Hilfspaket aufbringen. Sonst sind die Euro-Partner nicht zu Notkrediten von bis zu zehn Milliarden bereit. Zypern droht die Staatspleite, wenn keine Hilfe von außen kommt. Das könnte ungeahnte Folgen für andere südeuropäische Krisenländer und möglicherweise die gesamte Euro-Zone haben.

Die seit vergangenen Samstag geschlossenen zyprischen Banken bleiben vorerst weiter dicht. Wie die zyprische Zentralbank am Mittwoch mitteilte, bleiben die maroden Geldhäuser auch am Donnerstag und Freitag geschlossen. Die Entscheidung liege im allgemeinen Interesse, hieß es zur Begründung. Da am Montag Nationalfeiertag ist, werden die Institute damit nicht vor Dienstag kommender Woche wieder öffnen. Hintergrund ist die Angst vor einem Ansturm der Kunden auf die Bankschalter.

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Die Hoffnungen der zyprischen Regierung ruhen auch auf Hilfe aus Russland. Finanzminister Michalis Sarris wollte länger als geplant in Moskau bleiben, um über Hilfen zu verhandeln.Die Gespräche mit russischen Regierungsvertretern sollten am Donnerstag fortgesetzt werden, meldete die Finanznachrichtenagentur Prime unter Berufung auf Verhandlungskreise. Erste Gespräche mit Finanzminister Anton Siluanow sowie Vize-Regierungschef Igor Schuwalow seien ergebnislos verlaufen.

Russland will seine Hilfe für das vom Staatsbankrott bedrohte Zypern jedoch vom weiteren Vorgehen der Europäischen Union abhängig machen. Zypern habe Russland mehrere Vermögenswerte zum Kauf angeboten, sagte der russische Regierungschef Dmitri Medwedew in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. Zuerst aber müsse die EU neue Pläne zur Lösung der Krise in ihrem Mitgliedsland vorstellen. „Danach werden wir unsere Vorschläge machen“, sagte Medwedew der Agentur Interfax sowie weiteren Medien.

Zypern will ebenfalls Bad Banken schaffen

An den Finanzmärkten liefen am Mittwoch die Spekulationen heiß, dass russische Investoren bei der Popular Bank einsteigen wollten und damit den Finanzbedarf des Inselstaates schlagartig um vier Milliarden Euro verringern würden. Das wurde von der Regierung Zyperns jedoch umgehend dementiert.

Aus zyprischen Regierungskreisen hieß es stattdessen, dass Zentralbank und Regierung die Sanierung der Bank of Cyprus und der Popular Bank selbst in Angriff nehmen wollten. Wie das Staatsfernsehen berichtete, sollen nach dem Vorbild der Bankensanierung in anderen Euro-Krisenländern der „gesunde“ Teil in eine neue Bank übergehen und die maroden Teile, in einer sogenannten Bad Bank gebündelt werden.

dpa

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