„Aktiv werden und Wald erkunden“

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Winfried Blößer (links) wurde für sein Engagement vom Landkreis mit dem Umweltschutzpreis geehrt.

Schaafheim - „Natur erkunden, Natur erfahren, Natur erleben!“ Dieses Motto ist Programm des jetzt offiziell eröffneten Biosphären-Pfads in Schaafheim. Seit März dieses Jahres gab es schon einige Führungen, die der Leiter des Bios-Pfades, Winfried Blößer (70), vom Naturschutzbund gerne als „Feldversuche“ bezeichnet. Von Katrin Görg

Auch bei den Ferienspielen erkundeten schon über 100 Kinder den Lehrpfad im Schaafheimer Wald. Naturinteressierte trafen sich jetzt zu einer Führung. Bevor es richtig los ging, wurden die Teilnehmer zuerst von Winfried Blößer und seiner Assistentin, Diplombiologin Yvonne Lücke (27), begrüßt und kurz in die bevorstehende Erkundungstour eingewiesen. Blößer ließ seinen Gästen die Wahl, für welche Führung sie sich entscheiden. Diese einigten sich schnell auf die allgemeine, alle 17 Stationen umfassende Führung von drei Kilometern und einer Dauer von etwa drei Stunden. „Wir können das Ganze aber auch jederzeit abkürzen, wenn ihr das möchtet“, so der Naturschutzbeauftragte. Jedem der Teilnehmer drückte er entweder ein Buch, Lupen oder gar ein kleines, mit Untersuchungs-Utensilien gefülltes Wägelchen in die Hand. Und dann konnte es auch schon losgehen. Hund Tequila war ebenfalls mit von der Partie.

Von Station zu Station Vorgänge erklärt

Durch Laub und Geäst ging es den Langstädter Weg entlang. „Wir haben den Pfad bewusst als Pfad gelassen und nicht befestigt. Genauso haben wir auch darauf geachtet, so wenig Schilder wie möglich aufzuhängen, die den Wald verunstalten“, sagte Winfried Blößer. Von Station zu Station erklärte er anschaulich die Vorgänge im Wald. So hob er mit einem Spaten etwas Erde aus dem Boden und zeigte den Teilnehmern, was in solch einer Schaufel Walderde so alles lebt. Grundschüler Jannik Roth (6) entdeckte dabei etwas, was Blößer ihm als einen Eichenbaumkeim vorstellte. Auf dieselbe Weise arbeitete Blößer weiter mit direkten Naturbeispielen zum Anschauen und Anfassen und vielen Bildern sowie direkten Fragestellungen an die Teilnehmer der Führung als Aufforderung zum Mitmachen: „Wir wollen, dass die Leute selbst aktiv werden und den Wald erkunden. Übertrieben gesagt, sollen sie selbst herausfinden: Wie riecht der Baum?“

Besonders für diese Gelegenheiten gibt es die vier Aktivstationen mit großen Informationstafeln und Sitzgelegenheiten aus Baumstämmen, für deren Bau kein einziger Nagel verwendet wurde, wie Blößer betonte. An einer solchen Aktivstation widmete sich der Naturexperte dem Vorgang der Photosynthese und erklärte nebenbei, warum Menschen eigentlich schwitzen. Hier waren auch einige „Ahs“ und „Ohs“ der Erwachsenen zu hören, die plötzlich erstaunt feststellten: „So ist das also. So genau habe ich mir das noch gar nicht überlegt.

Ergänzendes Hörbuch ist in Arbeit

Führungen wie diese macht Blößer mit seinem Team bislang unregelmäßig. Wann sie stattfinden, das entnimmt der Interessierte am besten der Zeitung oder schaut die Termine im Internet auf der Webseite der Gemeinde Schaafheim nach. Hier finden sich auch Materialien wie Informations-Zettel zu den einzelnen Stationen zum Herunterladen, so dass auch Führungen in eigener Regie möglich sind. Ein ergänzendes Hörbuch ist in Arbeit und soll laut Blößer im Laufe des nächsten Jahres erscheinen.

Yvonne Lücke bietet zudem auf Anfrage, aber gegen Bezahlung, „Naturerlebnis-Kindergeburtstage“ an. Bei einigen Führungen gehen Winfried Blößer ganz besonders junge Helfer zur Hand. Die drei jungen Naturschutz-Profis Nina Dähn (9) sowie Douglas und Carlos Böhm (12) kennen sich als allererste Schaafheimer Junior-Ranger schon richtig gut aus im Wald. Neun weitere Junior-Ranger sind seit September bei Blößer in Ausbildung.

Umweltschutzpreis für Engagement

Das Projekt „BiosphärenPfad Schaafheim“ ist Teil des Geo-Parks Bergstraße/Odenwald. Rentner Winfried Blößer ist als Naturexperte in Schaafheimer Schulen und Kindergärten aktiv und bietet beispielsweise in der Mosbacher Lindenfeldschule Arbeitsgemeinschaften an, die die Gruppen auch immer wieder auf den Biosphären-Pfad führen. Für seine Arbeit bekam Blößer Anfang Oktober den Umweltschutzpreis verliehen. Die Umwelt zu schützen, das hört man auch bei seinen Führungen heraus, liegt Blößer als wichtigste Botschaft am Herzen: „Wir sind Gäste im Wald. Und wir sollen uns auch als solche benehmen.“

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