Baskteballerin Lilly Küppers zieht es von Babenhausen nach Chemnitz

Auf dem Absprung

Basektballerin
+
Lilly Küppers beim Körbewerfen auf einem Freiplatz in Babenhausen.

Es ist Ende April und Lilly Küppers nimmt am Training des Frauen-Basketball-Zweitligateams der Chemcats Chemnitz teil. Die 16-jährige Babenhäuserin hinterlässt Eindruck.

Babenhausen - Am Abend kommt Chemcats-Trainer Thomas Seltner auf sie zu und sagt, dass der Verein sie gerne haben würde. „Ich dachte, ich träume“, erinnert sich Küppers an den Moment.E s ist eine Zwischenstation in einer noch recht jungen Basketballkarriere.

Denn Küppers spielt erst seit knapp drei Jahren Basketball in der Mannschaft. Bei den Wizards, wie sich die Basketballabteilung des Turnvereins Babenhausen nennt. Mit 13 stand sie das erste mal in der Schulsporthalle und „hatte überhaupt keine Ahnung, wie man richtig Basketball spielt“, erzählt sie. Sie war gerade erst mit ihrer Familie nach Babenhausen gezogen. Zuvor hatten die Küppers jahrelang in Istanbul gelebt, bevor es die Eltern berufsbedingt zurück nach Deutschland zog. Zusammen mit Mutter Almut, die früher selbst auf Korbjagd gegangen ist, Vater Fabian und ihren beiden älteren Schwestern Meret und Jule hatte sie zuvor lediglich auf einem Basketball-Freiplatz „ein bisschen gezockt“, wie Lilly Küppers es nennt.

Lilly Küppers

Dann das erste Training bei den Wizards. „Ich sollte einfach loslegen und beim Training in der U16 mitmachen“, erzählt sie: „Am Ende des Trainings war klar, dass ich unbedingt wiederkommen wollte.“ Von einer Mannschaftsspielerin war sie da noch weit entfernt: „Ich war planlos und wusste nicht genau, was ich zu tun hatte, weshalb ich orientierungslos auf dem Spielfeld herumrannte.“ Doch mit Individualtrainings und immer mehr Spielpraxis im Team von Ayse Öcal steigerte sie sich von Woche zu Woche. „Es machte unglaublich Spaß mit den anderen zusammen übers Spielfeld zu wirbeln und einen Sieg nach dem anderen nach Hause zu bringen. Ich hatte so richtig Feuer gefangen fürs Basketballspielen“, schilderte die mittlerweile 1,83 Meter große Babenhäuserin.

Doch dann kam Corona. Es sei wie eine Vollbremsung gewesen. „Ich war frustriert und traurig, dass das Training und die Spiele einfach komplett abgesagt werden mussten“, erzählt Küppers vom ersten Lockdown im Frühjahr 2020. Der einzige Trost war der Freiplatz im Wald, wo sie zusammen mit ihrer Familie spielte oder alleine Wurftrainings machte.

Nach den Lockerungen im vergangenen Sommer stieg sie ins Training bei der ersten und zweiten Wizards-Damenauswahl ein. „Das war für mich eine große Ehre und natürlich auch Gelegenheit, mich weiter zu verbessern.“ Von da an war ihr Trainingsplan voll. Vier bis fünf Trainingseinheiten in der Woche und am Wochenende ein bis zwei Spiele.

Doch der zweite Lockdown bremste Küppers Ambitionen wieder komplett aus. Erst nach Weihnachten ging es weiter. Wizards-Trainer Thomas Hüther begann mit Individualtraining: Technik, Kraft, Athletik viel laufen und viel werfen. „Ich war eigentlich immer am Ball, wenn ich etwas Zeit hatte.“ Und Hüther sah das Talent: „Er hat zwar gesagt, er sieht da was, aber ich habe das nicht geglaubt“, sagt Küppers. Doch dann vermittelt Hüther in diesem Frühjahr den 400-Kilometer-Trip nach Chemnitz. „Ich war richtig aufgeregt“, erzählt die 16-Jährige.

Dann ging es schnell. Der Chemcats-Trainer will sie und ein Platz am Sportgymnasium in Chemnitz steht zur Verfügung. Vor wenigen Wochen hat sie an der Joachim-Schumann-Schule ihren Realschulabschluss gemacht. „Ich denke, die Nervosität wird in den kommenden Wochen noch etwas zunehmen. Angst habe ich aber nicht“, erzählt sie von dem bevorstehenden Umzug nach Sachsen. Dann heißt es Abschied nehmen „von den Wizards, meinen Trainern und Trainerinnen und meiner Familie, denen ich allen viel verdanke“, ist sich Lilly Küppers bewusst. Am 23. August geht in Chemnitz das Training für die neue Saison los. (Norman Körtge)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare