Heidi Micka gibt ihren Supermarkt in Langstadt auf

Ausverkauf im Lädchen

Ihren „Mein Markt“ im Langstädter Ortskern betreibt Heidi Micka nur noch wenige Wochen lang.
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Ihren „Mein Markt“ im Langstädter Ortskern betreibt Heidi Micka nur noch wenige Wochen lang.

Im letzten Lebensmittel-Markt Langstadts naht ein Wechsel: In wenigen Wochen gibt Heidi Micka ihr Geschäft mit dem Namen „Mein Markt“ ab. Die 57-Jährige hatte den Laden seit 2015 geführt. So mancher Stammkunde dürfte traurig sein, wenn die zugängliche Frau ab Sommer ein anderes berufliches Kapitel aufschlägt. Ein Trostpflaster gibt es aber auch.

Langstadt - „Im Mai startet der Ausverkauf“, kündigt Micka an. „Voraussichtlich Mitte Juni mache ich zu.“ Die Frage nach dem Warum beantwortet sie aus mehreren Perspektiven. Zunächst aus der persönlichen: „Ich packe die 70 Stunden Arbeit pro Woche gesundheitlich nicht mehr.“ Der Betrieb ihres kleinen, von Rewe belieferten Markts, der den Langstädtern den Vor-Ort-Erwerb vieler Dinge des täglichen Bedarfs gesichert hatte, sei ein Knochenjob. „Ich habe mir gesagt, ich schaffe es nicht mehr.“ Was nicht heißt, dass Micka dem Lebensmittel-Handel komplett den Rücken kehren wird. Allerdings gibt sie für das letzte Jahrzehnt ihres Berufslebens die Selbstständigkeit auf und wechselt bald in ein Angestelltenverhältnis bei Edeka. „Ich gehe also zur Konkurrenz“, lächelt sie.

Zugleich haben sie unternehmerische Gründe zum nun öffentlich gemachten Schritt bewogen. „Ich komme nicht mehr über meinen Umsatz“, sagt sie: „Seit Januar mache ich 30 Prozent weniger.“ Der Einbruch hat aus ihrer Sicht vor allem mit den Veränderungen in der Immobilie im Langstädter Ortskern zu tun, die sich seither klarer abzeichnen.

Im Sommer 2020 machte eine Annonce darauf aufmerksam, dass das Objekt, in dem Micka Mieterin ist, verkauft werden soll. „Im Januar ist der Verkauf dann vollzogen worden. Seither hatte ich spürbar weniger Umsatz.“ Sie führt das darauf zurück, dass ab diesem Moment vielen Langstädtern klar geworden sei, dass sich bald ein Wechsel vollziehen werde. „Seither haben sich einige schon umorientiert. Sie haben sich sicher gedacht, dass sie den Markt ab sofort nicht mehr unterstützen müssen, weil er bald schließen wird.“

Diese Feststellung gelte weniger für ihre Stammkunden als für jene, die sie gerade in der Corona-Krise hinzugewonnen habe. Im vergangenen Jahr hätten durchaus einige neue Kunden den Markt für sich entdeckt. Dass diese nun scheinbar wieder andere Einkaufsmöglichkeiten bevorzugten, habe sie „etwas enttäuscht“, gibt Micka zu. Womöglich spielten bei manchen Menschen aber auch finanzielle Gründe eine Rolle, dass sie verstärkt die Discounter in der Umgebung aufsuchten.

Nach sechs arbeitsreichen Jahren im Stadtteil geht Micka dennoch erhobenen Hauptes. Zudem zeigt sie den Kunden eine Perspektive auf: Der neue Eigentümer der Immobilie wolle „zusammen mit einem Kompagnon“ dort künftig einen „deutsch-türkischen Lebensmittelmarkt“ betreiben. Der Nachfolger übernehme aus ihrem Inventar auch die drei Gefriertruhen und die drei Wandkühlregale, die die Geschäftsfrau erst im Frühjahr 2020 mithilfe von EU-Fördermitteln angeschafft hatte. Die üppige, aus europäischen Steuermitteln finanzierte Unterstützung für die Anschaffung der energiesparenden Infrastruktur, zu der die Marktbetreiberin nur einen 20-prozentigen Eigenanteil hatte beisteuern müssen, muss eine bestimmte Mindestzahl an Jahren genutzt werden, damit der Begünstigte den Zuschuss nicht zurückzahlen muss. Dies konnte Micka mit der Weitergabe der Truhen und Kühlregale an den baldigen Betreiber umgehen. (Jens Dörr)

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