Schreiben als handfester Ausgleich

Babenhäuser Alex Sonnentag arbeitet an neuem Krimi

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Babenhausen – Bereits seit 16 Jahren lebt und schreibt Alex Sonnentag in Babenhausen. Bei den städtischen Kunst- und Kulturtagen im August in der Stadtmühle wird er zum ersten Mal dabei sein – mit einer Lesung seiner Gedichte. Von Petra Grimm 

Lyrik liegt dem 47-jährigen Autor besonders, vor allem die traditionelle, japanische Gedichtform Haiku. Seit seiner Studentenzeit in Frankfurt, wo er Linguistik, Psychologie und Philosophie studiert hat, schreibt und veröffentlicht er aber auch Kurzgeschichten, Reiseberichte, Glossen, Filmkritiken und Curry-Rezepte. Davon leben kann Alex Sonnentag noch nicht. Er verdient sein Geld als IT-Administrator und schreibt vor allem nachts und im Urlaub, meistens mehrere Sachen gleichzeitig.

Aktuell arbeitet er an einem Krimi mit dem Arbeitstitel „Felzen in der Brandung“. Felzen heißt der Kommissar und die Geschichte spielt in Aschaffenburg, wo Sonnentag sich als Autor und zweiter Vorsitzender bei Main-Reim, dem Verein zur Förderung der Dichtung am Untermain, engagiert.

Die aus zehn aktiven Lyrikern bestehende Gruppe trifft sich alle zwei Wochen in einem literarischen Zirkel, um selbst geschriebene Gedichte vorzutragen und zu diskutieren. Seit sieben Jahren werden ausgewählte Werke jährlich als Audio-CD veröffentlicht. Außerdem lädt der Dichterclub zu Lesungen ein, organisiert Schulprojekte und Workshops, richtet Gedichtwettbewerbe aus und schafft mit einer Buchmesse im Aschaffenburger Schloss eine Plattform für regionale Literatur. Ziel der Aktivitäten ist, die Begeisterung für Dichtung weiterzugeben und zum lyrischen Schaffen anzuregen.

Gemeinsam mit anderen Mitgliedern von Main-Reim hat der Babenhäuser im Alibri-Verlag zwei Bücher mit Kurzgeschichten publiziert. Sowohl der Band „Einstein im Gully“, als auch die Sammlung abgründiger Adventsgeschichten mit dem Titel „Morgen stirbt der Weihnachtsmann“ nutzen Aschaffenburger Lokalkolorit.

Wie werde ich Buchhändler/in?

Sein Broterwerb in der IT-Branche und das literarische Wirken sind für Sonnentag kein Widerspruch. Computer und Bücher liefen bei ihm seit der Kindheit parallel. „Ich habe immer schon geschrieben und viel gelesen, als Jugendlicher vor allem Science Fiction. Mein Onkel hatte eine beachtliche Sammlung. Außerdem haben mich Kurzgeschichten amerikanischer Autoren begeistert“, erzählt der Wortakrobat, der im Alter von 13 Jahren seinen ersten Computer bekam, weil seine Mutter die damals populären Telespiele für die Fernseher nicht mochte. Sonnentag nutzte den Computer von Anfang an kreativ. „Ich fand den Rechner richtig spannend und habe damals viel Zeit investiert, mir eigene Spiele zu überlegen“, erzählt er. Seine autodidaktisch erworbenen Fähigkeiten haben ihn über die Jahre, bereits während seiner Studienzeit, ernährt. Das Schreiben ist für Sonnentag auch eine Konzentrationsübung und ein Ausgleich zur Computerarbeit. „Wenn eine Geschichte oder ein Gedicht geschrieben ist, hast du am Ende was in der Hand. Das ist befriedigender als die IT-Sachen. Die Fachliteratur, die ich dafür lese, hat eine Halbwertzeit von zwei oder drei Monaten“, sagt er.

Sein geisteswissenschaftliches Studium hatte er auch mit Blick auf seine literarischen Ambitionen ausgewählt. „Linguistik habe ich studiert, um ein besseres Sprachgefühl zu bekommen, wurde aber enttäuscht“, erzählt er. Lesen, Schreiben, Computer – der Dreiklang ist geblieben und zieht sich durch sein Leben, zu dem regelmäßig Lesungen, auch in Schottland oder Finnland, und die Leidenschaft fürs Kochen gehören. Foto: pg

Infos unter www.sonnentag.org

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