Nach 26 Jahren könnte morgen der letzte Tag sein

Freibadbetreiberin Dalila Kahl: „Es ist sehr emotional“

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Wer steuert die „Jenny“ in der kommenden Freibadsaison? Der Babenhäuser Fotokünstler Reinhold Blaha hat diese Aufnahme von der Brücke des ehemaligen Küstenmotorschiffs gemacht und am Computer bearbeitet.

Babenhausen - Endet am morgigen Sonntag eine Ära? Wenn das Schwimmbad um 20 Uhr seine Pforten schließt und damit die Freibadsaison zu Ende ist, könnte es nach 26 Jahren das letzte Mal gewesen sein, dass Betreiberin Dalila Kahl am Beckenrand stand.

Wie berichtet, beschloss eine Mehrheit aus CDU, Freien Wählern und FDP eine Neuausschreibung des Betriebs. Damit wurde auch der Wunsch von Kahl, erst im Oktober zu verhandeln, abgelehnt. Letztendlich ging es darum, ob das Schwimmbad erst Mitte statt Anfang Mai aufmacht. Damit sollte eine Summe von 27.500 Euro gespart werden. Im Interview mit Redakteur Norman Körtge spricht Dalila Kahl über ihre Beweggründe, und ob sie sich an der Neuausschreibung beteiligt.

In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ist Ihnen unter anderem vorgeworfen worden, dass es nicht professionell sei, dass Sie als Chefin erst mit ihren Mitarbeitern sprechen wollen, bevor sie die Entscheidung treffen. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube nicht, dass das unprofessionell ist. Die Mitarbeiter sind seit sehr vielen Jahren bei mir, wir sind ein kleines Unternehmen und ich bin darauf angewiesen, dass meine Mitarbeiter mitziehen. Sie müssen im Sommer auf Urlaub verzichten, sich auf tägliche Überstunden einstellen und stehen wie in diesem Jahr teilweise zehn Stunden konzentriert und bei einem hohen Lärmpegel in der Sonne. Das erwarte ich auch von ihnen. Und dann ist es eben mehr als fair, sie einzubeziehen, welche Aufträge wir annehmen. In den Gesprächen kommen oft Dinge zur Sprache, an die ich nicht gedacht habe, aber die aus Mitarbeitersicht wichtig sind. Deshalb werde ich es auch so in Zukunft handhaben, denn ich möchte meine Mitarbeiter nicht verlieren.

Wie ist denn nach dem Beschluss zur Neuausschreibung die Stimmung bei Ihnen und den Mitarbeitern?

Sie ist sehr emotional. Klar, wir haben zuletzt immer gesagt, dass wir uns auch auf eine Ausschreibung freuen. Aber nach den Ausschusssitzungen hieß es, es soll mit uns geredet werden. Es ging um Einsparpotenzial von 27.500 Euro. Genau das hatten wir im Übrigen bereits vor zwei Jahren angeboten. Seinerzeit wurde das abgelehnt. Dass es dann zwei Wochen später im Stadtparlament geheißen hat, die Gesprächszeit sei zu Ende, hat bei mir, den Mitarbeitern und vielen Badegästen für Unverständnis gesorgt und eben auch viele Emotionen freigesetzt.

Warum diese Emotionen bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern?

Wir hängen an diesem Bad. Viele Mitarbeiter sind schon seit vielen Jahren dabei. Es gibt viele Freundschaften mit Badegästen. Man weiß, auf welchen Badegast man aufpassen muss, weil er irgendwelche gesundheitlichen Probleme hat. Ich kenne Gäste, die sind jetzt Anfang 30 und ich kannte sie bereits als Kinder. Meine eigenen Kinder sind hier groß geworden. Da hängen einfach ganz viele schöne Erinnerungen dran.

Warum konnten Sie sich im August denn nicht die Zeit für Verhandlungen nehmen?

Ja, das wird mir vorgeworfen. Aber: Ich kann nicht einfach weg. Wenn ich in einem anderen Bad bin und nach Babenhausen muss, dann brauche ich Ersatz. Und den habe ich nicht. An Herrn Knoke lag es jedenfalls nicht. Er hat mich mehrmals um Gespräche gebeten, aber bei diesem Sommer mit dieser Dauerbelastung war es nur sehr schwer möglich.

Aber dann klappte es einen Tag vor der Stadtverordnetenversammlung.

Meiner Meinung nach haben wir uns in dem Gespräch in der Sache ein großes Stück angenähert. Nicht in der Summe. Die war, wie bereits gesagt, schon bekannt. Wir hatten damals einen ganzen Katalog vorgelegt, um Einsparungen zu erzielen. Dabei auch, das Schwimmbad tageweise zu schließen oder die Saison zu verkürzen. Das wurde damals abgelehnt.

Eine Einigung wäre demnach in weiteren Gesprächen wahrscheinlich gewesen?

Wir waren auf dem besten Weg. Aber ich habe Herrn Knoke auch gesagt, ich muss erst mit meinen Mitarbeitern sprechen. Und dafür war einfach keine Zeit. In diesem Sommer haben wir am Limit gearbeitet und ich will mit meinen Mitarbeitern keine Einzelgespräche zwischen Tür und Angel führen, sondern im Team darüber reden. Deshalb habe ich gesagt, ich brauche die Zeit bis Oktober. Im Gespräch mit Knoke habe ich auch gesagt: Wenn den Politikern es diese Zeit nicht wert ist, dann müssen sie eben die Ausschreibung beschließen.

Was hat Sie in den vergangenen zwei Jahren am meisten geärgert?

Dass aus der Lokalpolitik niemand mit uns gesprochen hat. Vieles haben wir aus der Presse erfahren. Und was uns maßlos geärgert hat, dass es Mitte Juni eine Begehung mit einem interessierten Dienstleister gab, von dem wir nichts gewusst haben. Und der hat dann auch unsere Mitarbeiter befragt. Das war eine dreiste Nummer.

Der oft thematisierte Fachkräftemangel im Bereich der Schwimmmeister spielt beim Umgang mit ihren Mitarbeitern auch eine Rolle.

Ja, natürlich. Ich habe kein wechselndes Personal, wie es vielleicht andere Dienstleister haben. Da kommt jede Woche ein anderer ins Schwimmbad. Das möchte ich nicht. Das ist auch der Grund, warum ich trotz Anfragen nicht expandiere. Es gibt sicherlich Dienstleister, die heute schon Aufträge für nächstes Jahr annehmen, ohne das Personal zu haben. Das werde ich nicht tun. Das ist nicht unser Konzept. Und ich befürchte, es wird noch schlimmer mit dem Fachkräftemangel. Ich ziehe wirklich vor meinen Mitarbeitern den Hut. Ich weiß, was sie leisten, weil ich auch selber am Beckenrand stehe.

Was ist denn der Vorteil bei Ihrem Konzept?

Es werden Kosten gespart. Meine Mitarbeiter kennen das Bad, kennen die Technik und haben die Erfahrung. Ich denke, dass bei einem Personalwechsel der Bauhof in Babenhausen häufiger anrücken muss. Selbst wenn es einen günstigeren Dienstleister auf dem Papier gibt – was wirklich günstiger ist, zeigt sich erst am Ende der Saison. Und ich denke, wir haben eine familiäre Atmosphäre in Babenhausen geschaffen.

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Habe ihre Mitarbeitern nun Existenzängste?

Nein. Dafür gibt der Markt zu viel her. Andere Kommunen haben sich bereits erkundigt.

Beteiligen Sie sich an der Ausschreibung?

Ich werde sie mir anschauen. Aber ich bleibe dabei. Ich werde erst mit meinen Mitarbeitern sprechen. Jetzt haben wir ja Zeit. Ich persönlich glaube nicht, dass die Ausschreibung vor Ende September rausgeht. Es wäre also rein zeitlich kaum etwas verloren gegangen, wenn die Stadtverordneten dem Bürgermeister und mir die Zeit gegeben hätten.

Stand heute: Werden Sie nächstes Jahr am Beckenrand neben der „Jenny“ stehen?

Ich glaube eher nicht. Aber derzeit sind einfach zu viele Emotionen im Spiel und es gibt viel Gerede.

Sie kennen sich auf dem Markt aus: Wird es viele Bewerbungen geben?

Es wird sich in Grenzen halten, aber ich denke, es wird Angebote geben. Aber wie bereits gesagt, einen Leistungsvergleich wird man erst am Ende der Saison ziehen können. Ich wünsche jedenfalls den Babenhäuser Badegästen, dass es funktioniert.

Ihr Fazit der zurückliegenden Saison?

Es war eine sehr gute Saison. Wir haben über 160.000 Euro umgesetzt. Zum Vergleich: 2017 waren es 91.000 Euro. Und es war auch eine sehr schöne Saison. Auch dank des Fördervereins und unserer vielen Gäste. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Bauhof hat bestens funktioniert. Und das Allerwichtigste: Es war eine unfallfreie Saison.

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