Entlang der B26

Landwirte demonstrieren mit ihren Traktoren für nachhaltige Agrarpolitik

„Keine Landwirtschaft, kein Essen, keine Zukunft“ steht auf dem Plakat. Bei einer Demo in Wiesbaden waren die Babenhäuser Landwirte Stephan Funk (von links), Jürgen Rademer, Johannes, Michael und Günther Monath, Lothar Krapp, Kyra Geißler, Christian Horn sowie Ralf Geißler dabei. Foto: p
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„Keine Landwirtschaft, kein Essen, keine Zukunft“ steht auf dem Plakat. Bei einer Demo in Wiesbaden waren die Babenhäuser Landwirte Stephan Funk (von links), Jürgen Rademer, Johannes, Michael und Günther Monath, Lothar Krapp, Kyra Geißler, Christian Horn sowie Ralf Geißler dabei.

Ihnen gehört die Zukunft in der Landwirtschaft: Kyra Geißler, Johannes Monath und Stephan Funk. Eigentlich. Denn sie sehen ihre Existenzen gefährdet. Und kämpfen darum.

Babenhausen – „Wir wollen ihnen richtig auf den Keks gehen“, sagt Kyra Geißler. Die 22-jährige angehende Agrarbetriebswirtin hat in den letzten Wochen an mehreren Demonstrationen teilgenommen. Wie so viele andere Landwirte in ganz Deutschland. Auf den „Keks gehen“ möchte sie vor allem den Politikern, die ihrer Meinung nach an der Realität vorbei Gesetze und Verordnungen beschließen und damit Existenzen zerstören. Allen voran das sogenannte Agrarpaket von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze sowie eine neue Düngemittelverordnung. Dabei geht es um ein Grundbedürfnis: Essen.

„No Farmers, No Food, No Future“ („Keine Bauern, kein Essen, keine Zukunft“) steht auf dem großen Plakat an Geißlers Traktor, mit dem sie am Mittwochabend an der B26 steht. Mehr als 20 weitere Trecker – auch aus Schaafheim – haben sich zu der Protestaktion zusammengefunden, um ein sichtbares Zeichen zu setzen.

Eine der Hauptforderungen ist simpel und auf einem weiteren Schild zu lesen: „Ich bin noch da, rede mit mir, nicht über mich.“ Es ist das, worüber sich die drei Jungbauern Kyra Geißler, Johannes Monath und Stephan Funk am meisten ärgern. Über Landwirte wird gemeckert und geschimpft, es wird beleidigt und sie werden als Umweltsünder dargestellt – nicht im persönlichen Gespräch, sondern meist anonym, in sozialen Medien. „Ich muss mich meist immer erst rechtfertigen, bevor ich erklären kann“, sagt der Langstädter Monath. Der 27-Jährige bezeichnet sich selbst als kommunikativ. Gerne erklärt er, warum und wie er düngt. Der Agrar-Ökonom befasst sich mit dem Thema intensiv. Er arbeitet derzeit an seiner Doktorarbeit mit dem Arbeitstitel „Angepasste Düngung“. Es gebe bereits Systeme auf dem Markt, allerdings würden diese schlichtweg noch zu teuer und damit nicht wirtschaftlich sein. „Die Landwirte müssen in die Lage versetzt werden, bestimmte Dinge umsetzen zu können. Dafür braucht es Zeit“, meint Monath.

Entlang der B26 demonstrierten am Mittwochabend Landwirte mit ihren Traktoren für eine nachhaltige Agrarpolitik und einen fairen Umgang zwischen ihnen, Politik und Verbrauchern.

Genauso ist es bei der Nitratbelastung des Grundwassers. Sie ist an vielen Orten nicht wegzudiskutieren. Aber die Ursache dafür können schon Jahrzehnte zurückliegen und nicht alle Einflüsse sind untersucht, so Geißler. Darüber hinaus gebe es schon länger Anstrengungen – etwa auch in Zusammenarbeit mit dem Gruppenwasserwerk Hergershausen.

Was Geißler, Monath und Funk außerdem anprangern: Sie müssten mit Weltmarktpreisen konkurrieren, aber viel höhere Standards erfüllen. An Letzteren wollen sie auch gar nicht rütteln. Aber es kämen eben immer wieder neue, oft rein politisch motivierte Auflagen hinzu. „Wir sind für Natur-, Klima- und Insektenschutz. Doch wir brauchen umsetzbare Wege, um unsere landwirtschaftlichen Produkte so produzieren zu können, dass wir unsere Familien von dem Erlös ernähren und unsere Existenz erhalten können“ so Geißler. An Flexibilität werde es nicht scheitern, bekräftigt Funk, der aber auch einen klaren Appell an die Verbraucher richtet: Es müsse auch das gekauft werden, was gefordert werde. Heißt: Lebensmittel haben ihren Preis.

„Wir haben nichts zu verstecken“, sagt Monath, der wie seine beiden jungen Mit-streiter, für den Dialog mit den ortsansässigen Landwirten wirbt: „Redet mit uns.“

VON NORMAN KÖRTGE

Eine Trecker-Demo fand auch am Straßenrand in Rödermark statt.

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