Hunderte Knet- und Backmaschinen im Lager

Filmdreh im Back-Outlet Milbrandt in Babenhausen

Großer Filmdreh im Babenhäuser Unternehmen Back-Outlet Milbrandt.
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Großer Filmdreh im Babenhäuser Unternehmen Back-Outlet Milbrandt.

Normalerweise ist der Back-Outlet Milbrandt in Babenhausen Anlaufstelle für Hobby- und Profibäcker, die auf der Suche nach Blechen, Sieben, Knet- und Backmaschinen oder Backmischungen sind. Nun hat RTL dort einen Kurzfilm gedreht.

Babenhausen – „Was ist denn da alles drin?“ Johanna Kruprska hält eine Afrika-Brotmischung in die Höhe. Sylvia Glowacki, Verkäuferin im Back-Outlet Milbrandt, klärt sie auf. Eigentlich weiß Kruprska selbst ganz genau, was worin enthalten ist. Sie spielt die wissbegierige Kundin nur, denn RTL ist zu Besuch. Genauer gesagt Helge Wintermeier von der Frankfurter Agentur Giel, der für RTL einen Beitrag über das Babenhäuser Unternehmen dreht. Sechs Firmen im Landkreis wurden von dem Privatsender ausgewählt, und die Milbrandts haben mit Freude zugestimmt. Auch ein Werbefilm für die eigene Webseite springt dabei heraus. „Ein bisschen nervös war ich schon“, gibt Birgit Ott-Milbrandt zu. Als die kleine Drehcrew um Wintermeier dann aber die ersten Szenen im Kasten hat, legt sich die Aufregung. „Alles läuft sehr entspannt ab“, findet ihr Mann Matthias Milbrandt erleichtert. Exemplarisch für die drei- bis vierstündigen Backkurse, die immer wieder im Outlet angeboten werden, müssen ihr Sohn Steffen (19), dessen Freundin Samantha (20) und Cousine Lenya (15) ran und die Teilnehmer mimen. Mama Birgit gibt die Leiterin. Normalerweise obliegt diese Aufgabe einem Bäckermeister. Aber darauf kommt es diesmal nicht an. Es ist Showtime.

Trotzdem ist der Laden, in dem allerlei Backzubehör – die Hälfte professionelle Fachhandelware – die Regale füllen, normal für Kundschaft geöffnet. Bleche, Formen, Mehlsiebe gehen über den Tresen. Echte Verkaufsgespräche mischen sich mit gestellten. Aufgebaut hat das Outlet Birgit Milbrandt im Mai vergangenes Jahr aus einem davor reinen Onlinehandel, sagt ihr Mann Matthias. Er, der aus einer Bäckerei in Neckargemünd stammt, hat bei Vater Hans-Georg einst selbst das Brötchenbacken gelernt, sich aber später auf Maschinentechnik rund ums Backen spezialisiert. Heute leitet er den Verkauf von Knetmaschine, Backöfen und anderen Großmaschinen für Bäckereibetriebe ein paar Straßen vom Outlet entfernt.

Das Herzstück der Milbrandts in Babenhausen : ihr großes Lager. Von dort kann von jetzt auf gleich geliefert werden. Matthias Milbrandt steht neben etliche Rührmaschinen.

Auch dort wird gedreht. „Im Herzstück“ ihres kleinen Imperiums, wie Matthias Milbrandt es nennt. Er steht in seinem Fuhrpark, den er Mitte 2018 aus dem Boden gestampft hat, und deutet auf eine lange Reihe verschiedener Knetmaschinen. Sie glänzen alle wie neu, sind aber meist gebraucht und aufbereitet. Viele stammen aus Bäckereiauflösungen und werden, wenn sie neu und hochwertig sind, von Milbrandt übernommen und für den Weiterverkauf vorbereitet. „Wenn Not am Mann ist, können wir sofort liefern“, sagt er. Das sei heutzutage extrem wichtig. Früher habe ein Bäcker langfristiger geplant und einfach mal selbst Hand angelegt, wenn die automatische Brötchenpresse kaputt war. Wenn dagegen heute etwas unreparierbar kaputt sei, müsse auf der Stelle Ersatz her.

Der Mann, der seit 30 Jahren im Bäckereitechnik-Geschäft ist, ist darauf vorbereitet, schnell zu reagieren. „Das ist einzigartig in dieser Größenordnung“, meint er selbstbewusst.

Weit über 400 Maschinen hat er zurzeit da. Ein bisschen mehr, als er eigentlich will. Seit Corona platzt sein Lager aus allen Nähten. Zum einen haben Bäckereien während des Lockdowns nur noch Apparate in der absoluten Not angefordert. Und zum anderen werden Geräte, die es nicht in den Wiederverkauf schaffen, exportiert. Und das war während der strengen Regelung der Pandemie erst mal nicht mehr möglich. Normalerweise landen Maschinen, die in Deutschland nicht mehr up-to-date sind, unter anderem in Afrika. „In Ländern, in denen es keinen gleichmäßigen Strom gibt, würden moderne Maschinen mit Computersteuerung versagen“, erklärt Milbrandt. Daher sei dort hier Ausrangiertes unheimlich gefragt.

Überhaupt gilt das Prädikat „Made in Germany“ etwas in der ausländischen Bäckerwelt. Milbrandt liefert auch nach Paraguay, Neuseeland oder Russland. Aus Island kam gerade eine Knetmaschine zu ihm, die repariert werden soll. Denn so etwas übernimmt er ebenfalls. Und zwar am dritten Milbrandtschen Standort in Babenhausen. „Hier hat 2015 alles begonnen“, erzählt der Chef. Da gab es noch kein Extra-Maschinenlager. Genauso war der Online-Verkauf von Backzubehör dort beheimatet. Heute ist immerhin die Werkstatt noch da. Und im Keller lagern Ersatzteile wie Keilriemen oder Messer für Schneidemaschinen.

Drei Servicefahrzeuge hat Milbrandt, die er bei Bedarf rausschickt, um Reparaturen vorzunehmen. Besonders schwere Maschinen werden auch mal abgeholt, wenn sie seine Techniker nicht vor Ort in Ordnung bringen können.

Milbrandts Sohn Philipp ist im Kundendienst tätig. Heute spielt er aber Kunde für RTL. Sogar Opa Hans-Georg ist aus Mecklenburg-Vorpommern angereist. Die Familie hofft auf gute Werbung durch den Dreh. Damit unter anderem die selbst zusammengestellten Backmischungen verkauft werden, die es neben Hefe auch zu Mangel-Coronazeiten gab. Und damit auch die Backstube mitten im Outlet mal wieder gemietet wird. So wie es vor der Krise war, als sich da eine Gruppe Bäcker aus der Region traf, um neueste Backtrends zu testen und sich auszutauschen. Weit über 200 Brote und anderes Backwerk waren das Ergebnis. (zkn)

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