Geplantes Baugebiet „Boßwenhain“

Kein „Schnellschuss“ gewünscht

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Das Baugebiet „Boßwenhain“ im Norden von Babenhausen wird zum einen von der Hochspannungsleitung (vorne) begrenzt. Es erstreckt sich von der Frankfurter Straße (links) und beinhaltet das ehemalige Iropolast-Gelände sowie die dahinterliegende, landwirtschaftlich genutzte Fläche. Ebenso zum Baugebiet gehört die Feldfläche, die an die Gärten der Wohnbebauung entlang der Taunus- (rechts) und Waldstraße anschließt.

Babenhausen - Einen neuen Anlauf, um das Baugebiet „Boßwenhain“ im Norden der Stadt zu realisieren, hat Bürgermeister Joachim Knoke unternommen. In der Lokalpolitik ist das allerdings äußerst umstritten. Von Norman Körtge 

Kurt Lambert, Reinhard Rupprecht, Gabriele Coutandin und nun Joachim Knoke – vier Bürgermeister hatten bislang das Baugebiet „Boßwenhain“ auf der Agenda. Bereits im Jahr 1993 fasste die Stadtverordnetenversammlung den Aufstellungsbeschluss für das Areal, das sich – grob skizziert – im Norden der Stadt entlang der Frankfurter Straße, der Taunus- und der Waldstraße lang zieht und auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche durch die Hochspannungsleitung begrenzt wird. Dem Anschein, dass sich in Sachen Baugebiet „Boßwenhain“ in den vergangenen Jahrzehnten nichts getan habe, widerspricht Reinhard Rupprecht (CDU), ehemaliger Bürgermeister und nun Erster Stadtrat, der urlaubsbedingt Rathaus-Chef Joachim Knoke vertritt. Alle drei bis vier Jahre sei das Thema auf der Agenda gewesen, so Rupprecht. Gescheitert sei das Vorhaben an verschiedenen Dingen. Unter anderem, weil Grundstückseigentümer nicht verkaufen wollten. Aber auch, weil sich die Liegenschaftsverwaltung „Dunietz & Reich“ aus Frankfurt, in deren Besitz das ehemalige Iroplast-Gelände an der Frankfurter Straße ist, bislang an dem Areal festhielt. Auf diesem befinden sich unter anderem eine Paintball-Halle, das Billardcafé „Elephant“ sowie diverse kleinere Firmen.

Wie Rupprecht auf Anfrage berichtet, gebe es aktuell einen interessierten Investor, der anschließend an die Wohnbebauung entlang der Taunus- und Waldstraße ein Wohngebiet entwickeln möchte. Außerdem gebe es Einkaufsmärkte – dem Vernehmen nach unter anderem Tegut –, die an der Frankfurter Straße gegenüber des vorhandenen Netto-Marktes gerne eine Filiale errichten würden. Aus diesen Gründen habe Bürgermeister Knoke nun die politischen Fraktionen informiert, erklärt Rupprecht.

Bei diesen stößt das Vorhaben derzeit größtenteils auf Ablehnung. Offensichtlich auch aufgrund zu weniger Informationen. „Aus nicht nachvollziehbaren Gründen hat unser Bürgermeister sehr überraschend einer schnellen Umsetzung des Bebauungsplans Boßwenhain nun höchste und erste Priorität gegeben“, schreibt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzender Günther Eckert in einer Stellungnahme. Ohne die Stadtverordneten von seinen Absichten zu informieren, habe er bereits auf das Vorkaufsrecht der Stadt verzichtet und damit einem noch unbekannten Investor schon jetzt die Möglichkeit gegeben, erste Grundstücke zu erwerben. Bevor eine weitere Wohngebietsentwicklung in der geplanten Größenordnung geplant wird, sollten im Vorfeld alle Fragen der Infrastruktur, wie ein Verkehrskonzept, Straßenbau, Kitas, geklärt und deren Finanzierung gesichert sein. „Weiterhin sehen wir eine Wohnbebauung aufgrund der dortverlaufenden Höchstspannungsstromleitungen aus Gesundheitsgründen sehr kritisch“, so Eckert.

FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil hatte bereits im Juli eine Anfrage zum Status des bereits 1996 eingeleiteten Umlegeverfahrens für das Baugebiet an den Magistrat gestellt. In einem Antwortschreiben machte Knoke dabei deutlich, dass die Entwicklung dieses Baugebiets die „höchst anzusetzende Priorität“ besitze.

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Die CDU widerspricht: „Die höchste anzusetzende Priorität hat die Entwicklung des Kasernengeländes. Weitere Prioritäten sehen wir in der Umsetzung bereits verabschiedeter Stadtverordnetenbeschlüsse.“ Der gleichen Meinung ist die FDP. Wie Fraktionsvorsitzender Manfred Willand mitteilt, ist die FDP der Meinung, „dass die derzeitige Situation in Babenhausen es nicht zulässt, ein solch großes Wohnbaugebiet als weiteres Großprojekt durchzuführen. Aufgrund fehlender personeller Ressourcen, wie immer wieder von Bürgermeister Knoke angemerkt wird, als auch fehlender Informationen zu Folgekosten und Infrastrukturfragen, sehen wir uns nicht in der Lage, diesem gewünschten ‘Schnellschuss’, zustimmen zu können.“

Für die Grünen hat die Entwicklung „Boßwenhain“ ebenfalls keine hohe Priorität, schreibt Manfred Nodes auf Anfrage. Seine Fraktion sehe „eine Vernichtung weiterer landwirtschaftlicher Flächen sehr kritisch“. Die „höchste anzusetzende Priorität hat für uns die Entwicklung des Kasernengeländes und die Schließung von innerörtlichen Baulücken im Bestand“.

Lediglich die SPD-Fraktion drängt auf eine schnelle Umsetzung. Wie Fraktionsvorsitzender Jörg Kurschildgen erläutert, sei Eile geboten, bevor Veränderungen im Landesentwicklungsplan greifen – vor allen hinsichtlich der Hochspannungstrasse. „Der alte Aufstellungsbeschluss gibt uns im Moment noch die Möglichkeit, dieses Gebiet im Sinne der Stadt zu entwickeln.“ Wenn die Veränderungen durch den Landesentwicklungsplan in Kraft treten, sei dies nicht mehr uneingeschränkt möglich. Die Vorteile liegen für Kurschildgen auf der Hand: Das Entree zur Stadt würde aufgewertet und die Altstadt könnte vom Verkehr entlastet werden.

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