Waldrundgang in Babenhausen

„Wir denken in Jahrhunderten“

Forstamtsleiter Ronny Kolb (rechts) erläuterte den Teilnehmern des Waldrundgangs unter anderem, ob die Bäume die extreme Trockenheit verkraftet haben.

Babenhausen - Drei Kilometer durch Sickenhöfer und Hergershäuser Wald marschierten die Teilnehmer des traditionellen Waldrundgangs, zu dem das Forstamt Dieburg und die Stadt eingeladen hatten. Von Petra Grimm 

In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf der Eiche und der Zeichensprache der Förster – und die Dürre war auch Thema. Insgesamt 2 050 Hektar Wald besitzt die Stadt mit ihren Stadtteilen und ist damit eine der waldreichsten Gemeinden in ganz Hessen. Wegen der sandigen, trockenen Böden wachsen auf rund 85 Prozent der Fläche Kiefern, auf dem Rest Buchen, Eichen und Fichten. Einen kleinen Teil des Waldes inspizierten nun die 60 Teilnehmer beim traditionellen Waldrundgang. Nach der Begrüßung durch Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm und Forstamtsleiter Ronny Kolb wurde die Truppe aufgeteilt und die beiden Revierförster Tanja Wöber und Lothar Seipp führten jeweils eine Gruppe an.

Jenseits der beiden Schwerpunkte interessierte die Bürger natürlich, wie der Wald mit diesem langen, heißen und vor allem trockenen Sommer klar gekommen sei. „Das war schon Stress für die Bäume, man sieht es beispielsweise an vielen grünen, abgebrochenen Ästen. Das Laub hat sich früh verfärbt und fällt ab“, sagte Wöber. Echte Trockenheitsschäden werde man allerdings erst im kommenden Frühjahr erkennen, sagte Forstamtsleiter Kolb auf Nachfrage.

Ob und wie man denn den Wald an den Klimawandel anpassen könne, wollte eine Spaziergängerin wissen. „Manche Bäume kommen mit Hitze besser zurecht als andere“, sagte die Försterin. Die Fichte beispielsweise brauche viel Wasser, das hier auf dem Sandboden ja schnell durchsickere. Da die Fichte, anders als die Eiche, flache Wurzeln habe, habe sie es bei Trockenheit schwer. Allerdings ist der Anteil der Fichte in der Region gering.

Aber eine einfache Lösung sieht die Försterin nicht: „Das Klima wird sich verändern, aber wie genau, das weiß eigentlich noch keiner. Da die Ansprüche der verschiedenen Baumarten unterschiedlich sind, versuchen wir das Risiko zu streuen, indem wir eine möglichst große Vielfalt anbauen. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige Arten mit den Veränderungen klar kommen, ist dann größer“. Und Forstamtsleiter Kolb ergänzte: „Wenn solche Sommer Standard werden, werden wir in der Forstwirtschaft größere Probleme haben als die Landwirte, weil wir in anderen Zeiträumen denken und planen, nämlich in Jahrhunderten.“

Das Stichwort Vielfalt hat nicht nur Bedeutung mit Blick auf die Bewirtschaftung des Waldes, die in unseren Breiten seit vielen Jahren Hand in Hand mit dem Naturschutz geht, sondern auch bei der Nutzung des Waldes. Der Wald ist ein riesiges Naherholungsgebiet, das von Spaziergängern, Radfahrern und Reitern gerne genutzt wird. „Diese Vielfalt der teilweise auch widersprüchlichen Ansprüche an den Wald ist ja neu“, so die Förster, die diesem „allgemeinen Begehungsrecht“, das es jenseits der deutschen Grenzen nicht in allen Ländern gibt, Rechnung tragen müssen. „Die Revierförster haben dadurch eine Riesenverantwortung für die Sicherheit im Wald“, sagte Kolb, der wie Wöber an die Bürger appelliert, den gesunden Menschenverstand zu nutzen. „Sie müssen ja nicht unbedingt in der Dämmerung im Wald unterwegs sein, wenn auch die Jäger aktiv sind.“

Feuerwehr gibt Tipps bei Waldbrandgefahr: Bilder

Um das Ausbrechen von Waldbränden zu verhindern, hat die Feuerwehr Neu-Isenburg einige Tipps zusammengestellt.

Offenes Feuer im Wald ist nicht erlaubt– dazu gehören auch Grillfeuer.

Außerdem darf im Wald nicht geraucht werden.

Wenn man mit dem Auto auf einer Landstraße unterwegs ist, die durch ein Waldstück führt (zum Beispiel die Landesstraße 3117 Richtung Heusenstamm oder die B44 von und nach Zeppelinheim) sollte man auf keinen Fall brennende Zigarettenstummel aus dem Auto werfen. Jeder kleine Funke ist in der Lage, einen Wald- oder Flächenbrand auszulösen.

Selbst im Bereich von Wald und Wiesen arglos weggeworfene Flaschen sind ein Problem. Durch starke Sonneneinstrahlung besteht die Gefahr des „Brennglaseffekts“.

Außerdem bittet die Feuerwehr Neu-Isenburg darauf zu achten, die Zufahrten zu den Waldgebieten freizuhalten. Auch Park- und Halteverbote in diesen Bereichen bitte beachten!

Beim Abstellen des Autos sollte man außerdem darauf achten, den Wagen nicht auf einer trockenen Grasfläche oder einem anderem trockenen Bodenbewuchs zu parken. Ein eingebauter Katalysator kann sehr heiß werden – Temperaturen bis zu 1800 Grad sind möglich. Da besteht die Gefahr, dass der eigene PKW schnell in Flammen aufgeht.

Beobachtet man als Spaziergänger selbst Rauchentwicklungen und Brände im Wald immer sofort den Feuerwehrnotruf 112 wählen und das Feuer melden. Anschließend ist es sehr hilfreich, wenn die meldende Person für die Feuerwehr an der Einfahrt im Wald wartet, um die Rettungskräfte zur entsprechenden Örtlichkeit einzuweisen.

Hierzu ist es auch hilfreich, beim Notruf die eigene Rückrufnummer zu hinterlassen. Zur besseren Orientierung in den Waldgebieten sind an einigen Zugängen Hinweisschilder mit den so genannten Forstrettungspunkten vorhanden. Anhand dieser Forstrettungspunkte lässt sich der Standort sehr genau ermitteln: hessen-forst.de/service-rettungskette-1291.html

Sollte man selbst Zeuge eines entstehenden Waldbrandes werden, kann man Löschversuche unternehmen, solange man sich selbst nicht in Gefahr bringt. In jedem Fall muss auch nach einem vermeintlich erfolgreichen Ablöschen die Feuerwehr zur Kontrolle gerufen werden.

Interessant für die Bürger waren die Erläuterungen zur „Zeichensprache“ der Förster, die sich in verschieden farbigen Strichen und Punkten an den Bäumen abbildet. Um den Waldboden zu schützen, sind in den Bereichen, wo es nicht ohne schwere Maschinen geht, so genannte Rückegassen mit blauen horizontalen Linien markiert. Außerhalb dieser Rückegassen dürfen keine schweren Geräte fahren. Mit einem leuchtend gelben Punkt war eine stattliche, etwa 30 Jahre alte Eiche markiert, ein sogenannter Zukunftsbaum, „der schön gerade, vital und mit einer großen Krone ausgestattet beste Voraussetzungen hat, noch 200 Jahre gesund zu bleiben“, so die Försterin. „Diesen Baum wollen wir fürs Ökosystem erhalten und er bringt auch wertvolles Holz.“ Als Pflegemaßnahmen in diesem Eichenbestand werden krumme, durch Insektenbefall oder anderes beschädigte Bäume mit kleinen Kronen entfernt. „Wenn wir neben dem Zukunftsbaum einen anderen wegnehmen, wächst der starke Baum noch besser. Das sind Pflegemaßnahmen, die sich oft erst Generationen später auszahlen“, erklärte Wöber.

Umgekehrt dürfen Habitatbäume, die mit zwei gelben Ringen um dem Stamm herum und einem blauen „H“ markiert sind, trotz sichtbarer „Beschädigungen“ bis zu ihrem natürlichen Lebensende stehen bleiben. Denn sie bieten durch Höhlen, tiefe Spalten oder auch einen Horst Lebensraum für verschiedene Vögel, Fledermäuse und andere Tiere. Der unten am Baum aus einer Spalte herausrieselnde „Mulm“ „sieht aus wie Dreck, ist aber ein eigenständiges Biotop, organisches Material, das ein wichtiger Bestandteil des Waldökosytems ist“, erfuhren die Spaziergänger.

Auf dem Holzmarkt sieht es laut Kolb aktuell nicht so gut aus, denn bedingt durch die Frühjahrsstürme in einigen Bundesländern sind riesige Mengen Holz vorhanden. Allein in Hessen hätten die Stürme fast drei Millionen Kubikmeter Holz, vor allem Fichten, gelegt.

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