Komplettabsage

Carnevalverein sagt Fastnacht ab

Der Wagen des Carneval-Club Weisenau (CCW) fährt durch die Innenstadt. Die 69. Ausgabe des Rosenmontagsumzuges seit dem Zweiten Weltkrieg steht unter dem Motto "Humor ist Meenzer Lebensart, mit Herz und Toleranz gepaart.
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In der Folge verzichtet das Babenhäuser Vereinsgremium auch auf den Umzug. In Dieburg hält sich der KVD für die Kampagne noch alles offen.

Babenhausen/Dieburg – Keine Sitzung, kein Maskenball und kein Prinzenpaar: Die fünfte Jahreszeit fällt 2021 in Babenhausen aus. Coronabedingt hat sich der Carnevalverein Babenhausen (CVB) zur Komplettabsage seiner Kampagne entschlossen. In der Folge verzichtet auch das Gremium der Babenhäuser Vereine auf die Durchführung des Umzugs am Fastnachtdienstag.

Helmut Fendt ist Vorstandsmitglied im CVB, Vorsitzender des elf Vereine umfassenden Gremiums und darüber hinaus Babenhausens Zugmarschall. Er bestätigt die Entscheidung von CVB und Gremium, die von der organisierten Babenhäuser Fastnacht im Januar und Februar 2021 nichts übrig lässt. „Wir sehen uns nicht in der Lage, kostendeckende Veranstaltungen zu machen“, nennt er den Hauptgrund neben der Vermeidung gesundheitlicher Risiken.

Beispiel Sitzung in der Babenhäuser Stadthalle: „Wenn ich dort nur noch 150 statt 500 Zuschauer reinlassen und zudem keine Bar betreiben darf, kann ich das einfach nicht finanzieren.“ Auch wolle man „keine Musiker und Künstler verpflichten in der Gefahr, dass man die Veranstaltung eine Woche vorher absagen muss“. Womöglich bleibe man dann auf Kosten sitzen, die nicht ausreichend Einnahmen gedeckt seien. Generell heißt es mit Blick auf jede Menge drohende Corona-Auflagen vom CVB zudem: „Fastnacht, wie wir sie kennen und lieben, ist mit Abstand und Maske nicht möglich.“

Auch auf die Ernennung eines Prinzenpaars für die offiziell am 11. November beginnende Kampagne wollen Babenhausens Narren diesmal verzichten. „Und wenn der Carnevalverein keine Fastnacht macht, es weder Sitzung noch Prinzenpaar gibt, dann macht das Gremium auch keinen Umzug“, sagt Fendt. Normalerweise setzen sich in Babenhausen am Fastnachtdienstag 50 Gruppen –oft mit Wagen und auch aus den Stadtteilen – in Bewegung und grüßen je nach Wetterlage 7 000 bis 10 000 Zuschauer mit „Helau!“. Dieses Spektakel, das im nächsten Jahr am 16. Februar durch die Kernstadt hätte führen sollen, fällt nun der Pandemie zum Opfer: „Ich hätte nie gedacht, dass so was passieren könnte“, sagt Fendt, der als Schausteller mit mehreren Buden und Attraktionen auch abseits seiner Ehrenämter unternehmerisch unter der Corona-Krise zu leiden hat. „Es ist nun aber passiert“, äußert er sein großes Bedauern.

In Dieburg gibt es unter dem Narrenruf „Äla!“ alljährlich eine noch umfassendere Kampagne mit großer Strahlkraft in die ganze Region. Unter anderem findet parallel zu Babenhausen dienstags der Umzug mit 111 Nummern, 3 000 Teilnehmern sowie 50 000 bis 100 000 Zuschauern statt. Auch führt der Karnevalverein Dieburg (KVD) – neben vielem Weiterem – sieben Sitzungen für Erwachsene sowie zwei für Kinder in der Dieburger Römerhalle durch. Natürlich bangt auch der KVD um die nächste Session. Doch Vereinspräsident Günter Hüttig nennt aktuelle Prognosen – ob Richtung Durchführung, Änderungen oder Absage –derzeit noch einen „Blick in die Glaskugel“.

Der KVD werde das weitere Vorgehen deshalb „nicht vor September“ beraten, wolle weiter eine Portion Optimismus bewahren und sich alle Optionen offen halten. Die Bühnenaktiven der Sitzungen jedenfalls seien angehalten, „sich so auf die neue Kampagne vorzubereiten, als wenn nichts wäre“. Einige der Tanzgruppen proben bereits und haben seit den hessischen Lockerungen für den Sportbetrieb seit Samstag bessere Möglichkeiten, ihre Shows einzustudieren.

Abgesagt hat der KVD bislang lediglich sein für August geplantes „Hessenfest“ und das für Oktober geplante „Oktoberfest“. Beides sind weitgehend fastnachtsfremde Veranstaltungen im KVD-Zeughaus, die außerhalb der närrischen Kampagne stattfinden. Von Jens Dörr

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