CONTINENTAL

Einstimmen auf „heißen Herbst“ - Autokorso mit mehr als 300 Fahrzeugen durch Babenhausen

Mit kämpferischen Parolen zeigten sich viele Conti-Mitarbeiter bei der Abschlusskundgebung im Freibad.
+
Mit kämpferischen Parolen zeigten sich viele Conti-Mitarbeiter bei der Abschlusskundgebung im Freibad.

Für den neunjährigen Florian aus Dieburg ist es die erste Demonstration. Auf der sattgrünen Wiese im Freibad hält er ein knallrotes IG-Metall-Fähnchen in der Hand.

Babenhausen – Den Grund für seine Anwesenheit bringt er in einem knappen Satz auf den Punkt: „Weil ich meinem Papa helfen will.“ Der ist im Entwicklungsbereich bei Continental in Babenhausen tätig. Er stehe noch relativ gut da, meint der Vater. Viele andere am Standort aber eben nicht. Deshalb zeigt er Solidarität. Auch, weil der Dieburger nur sehr ungern an einen anderen, weiter entfernten Conti-Standort wechseln möchte.

Das Logo des Aktionsbündnisses war an vielen Stellen zu sehen.

Florian und sein Vater gehören zu den vielen Dutzend Menschen, die sich gestern Nachmittag auf dem weitläufigen Areal des Freibades zur Abschlusskundgebung im gebührenden Corona-Sicherheitsabstand versammelt haben. Zuvor hatte sich ein Autokorso vom Conti-Werk im Norden der Stadt durch die Kernstadt geschlängelt. 300 Autos, 28 Fahrräder und fünf Motorräder hatten sich nach Angaben der Polizei an dem friedlichen Demonstrationszug beteiligt. Laut hupend ging es am Ende auch durch die Bahnunterführung und auf die Bundesstraße 26.

Die IG-Metall-Flagge wurde beim Autokorso eifrig geschwenkt.

„Es wird ein heißer Herbst“, stimmte Gewerkschaftssekretär Daniel Bremm auf der Abschlusskundgebung die Conti-Mitarbeiter auf den offenbar unvermeidlichen Arbeitskampf ein. „Es ist nichts unterschrieben, es nichts vereinbart. Die dürfen gar nix machen“, machte Bremm deutlich, dass noch nichts entschieden ist und es sich lohnt, weiter zu kämpfen: „Wir lassen uns nicht billig abspeisen.“ Er geißelte den Job-Kahlschlag im Rhein-Main-Gebiet. Alleine in Babenhausen stehen mittlerweile rund 2 400 Stellen auf der Streichliste.

Conti-Mitarbeiterin und Gewerkschaftsmitglied Anne Nothing kritisierte, dass das Management nicht zu Kompromissen bereit sei und es offensichtlich das Ziel sei, dass Werk noch vor dem Jahr 2025 zu schließen. „Wir werden nicht klein beigeben“, gab sie sich kämpferisch, warb aber auch um Unterstützung: „Ihr werdet viel auf der Straße stehen müssen“, sagte Nothing in Richtung ihrer Kollegen.

Sarkasmus: Spendensammeln für die Chefs.

Bürgermeister Joachim Knoke bezeichnete es als „Schwachsinn“, die über viele Jahre aufgebaute Qualitätsarbeit im Werk Babenhausen nun in Billiglohnländer auszulagern. Er glaube nicht, dass dort mit gleicher Qualität gearbeitet werden könne.

Von Norman Körtge

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare