Konzert des Blasorchesters

Corona-Pandemie: Kulturelles Lebens in Babenhausen startet neu

Mit einem Konzert tröstete das Blasorchester die Babenhäuser über den Ausfall des Altstadtfestes hinweg. Auch beim Spendeneinsammeln wurde auf den Abstand geachtet.
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Mit einem Konzert tröstete das Blasorchester die Babenhäuser über den Ausfall des Altstadtfestes hinweg.

Mit einem Open-Air-Konzert am eigentlichen Altstadtfest-Sonntag hat das Blasorchester Babenhausen doch etwas festliche Stimmung aufkommen lassen. Und so manchen Babenhäuser über das wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagte Traditionsfest hinweggetröstet.

Babenhausen – Es ist Sonntag, und auf dem Parkplatz zwischen Platanenallee und historischem Wasserschloss treffen die ersten Gäste ein. Nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Denn der Platz ist an diesem Tag für alles gesperrt, was einen Motor hat.Statt Autos abzustellen, werden auf dem Parkplatz Campingstühle und -tische aufgeschlagen, Decken ausgebreitet und Picknickkörbe ausgepackt. Mit Abstand natürlich, so wie man es sich in den vergangenen Monaten angewöhnt hat. Selbstverständlich waren auch die Hygienemaßnahmen an den verschiedenen Einlässen. Während die knapp 100 Gäste ihre Utensilien auspacken und sich auf dem Parkplatz „Am Schwanengraben“ gemütlich einrichten, erklingen die ersten Takte von Nenas „99 Luftballons“. Nicht vom Band, sondern live in der Blasmusikversion.

Das Blasorchester stimmt sich auf das Konzert ein, das den musikalischen Auftakt zu einem perfekten Spätsommer-Sonntag bildet. Mehr noch: das Konzert der Babenhäuser Musiker ist der behutsame Neustart des kulturellen Lebens in der Stadt. Während des Lockdowns im Frühjahr und in den Wochen danach war kein Vereinsleben möglich. Musik- und Gesangvereine mussten besonders lange auf Lockerungen und eine Fortsetzung ihrer Arbeit warten.

„So lange wir uns nicht zur gemeinsamen Orchesterprobe treffen konnten, hat jeder für sich zu Hause geübt“, erzählt Simone Reidel. Als dann Chöre und Orchester ihre Vereinsarbeit wieder aufnehmen durften, konnten die Musiker des Blasorchesters dennoch ihre Proben nicht gleich wieder aufnehmen. „Wir hatten zuvor in der Offenen Schule einen Probenraum und einen Raum, in dem wir unsere Instrumente aufbewahren. Aber in den Schulen dürfen sich außer den Schülern und Lehrern keine weiteren Personen aufhalten. Deshalb mussten wir erst ein Ausweichquartier finden“, sagt Reidel.

Auch beim Spenden einsammeln wurde auf den Abstand geachtet.

In den Bauunternehmern Aumann fand das Blasorchester Unterstützung. „Sie haben uns in der Kaserne einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem wir proben können.“ Nach einer öffentlichen Orchesterprobe mit viel positiver Resonanz beschlossen die Musiker, sich einem größeren Publikum zu präsentieren. Und welcher Termin könnte da besser passen, als das Altstadtfest-Wochenende? „Zum Altstadtfest hätten wir normalerweise gespielt. Und wir nehmen an, dass vielen Babenhäusern ihr Fest in diesem Jahr fehlt. Deshalb haben wir uns diesen Termin für unser kleines Konzert ausgesucht.“

Melanie Pilok findet es bedauerlich, dass die Traditionsveranstaltung in den Babenhäuser Altstadtgassen in diesem Jahr nicht stattfinden kann. „Es ist eine schöne Idee des Blasorchesters, den Bürgern wenigstens ein musikalisches Angebot zu machen. Wir genießen die Matinee hier vor der schönen Schlosskulisse“, sagt sie, während sie einen Regenschirm aufspannt. Pilok ist mit ihrer Familie gekommen, die neben Klappstühlen und Getränken auch einige bunte Regenschirme zum Schutz gegen die Sonne dabei hat.

Dass sie sich selbst versorgen müssen, scheint für die Konzert-Besucher kein Problem zu sein. Familiär sei die Veranstaltung, meint eine Besucherin. „In den Parks in London sind spontane Konzerte üblich. Man nimmt sich eine Decke und etwas zu Trinken mit und genießt den Sonntagmorgen mit Livemusik. So ähnlich ist es hier auch. Das gefällt mir sehr“, sagt sie.

Gut eine Stunde lang spielt das Orchester unter Leitung von Philipp Bräutigam. Die junge Musikerin Jolanda Ludwig moderierte die Musikveranstaltung, mit der das Babenhäuser Blasorchester sein Publikum von klassischen Märschen und Polka-Melodien über Jazz und Funk bis zu Pop-Stücken unterhielt. Für Spenden wäre eigentlich der Hut rumgegangen. Doch auch hier mussten die Abstandsregeln eingehalten werden. Kurzerhand wurde der Hut durch einen Köcher an einer langen Stange ersetzt. (zeta)

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