INTERVIEW 

„Unsere Stadt steht wie ein Fels“ – Verwaltungshandeln in Zeiten von Corona

Bürgermeister Joachim Knoke. Foto: p
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Bürgermeister Joachim Knoke.

Der Babenhäuser Bürgermeister Joachim Knoke über die Arbeit in Corona Zeiten, vergangene Herausforderungen und die Zukunft der Stadt. 

Babenhausen – Die Coronavirus-Pandemie hat die Stadtverwaltung vor große Herausforderung gestellt – und stellt sie immer noch. Im Interview spricht Bürgermeister Joachim Knoke über die vergangenen Wochen und über Zukunftsprojekte.

Herr Knoke, etwa drei Monate ist es nun her, dass die Coronavirus-Pandemie einen zuvor nicht vorstellbaren Stillstand auslöste. Wie haben Sie Babenhausen rückblickend in der Corona-Krise erlebt?

Wir alle haben nach besten Kräften getan, was getan werden musste. Es war nicht das Ziel, jeden einzelnen vor dem Virus zu schützen. Wir sind angetreten, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, und waren darin erfolgreich. Die große Mehrheit der Bürger haben sich informiert und die meisten anderen dann noch mitgenommen. Das Babenhausen nach Flüchtlingsansturm mit HEAE, Stürmen, Trockenheit und Bomben krisenfest ist, haben wir bewiesen, eine Pandemie dazu schaffen wir dann auch noch. Unsere Stadt steht fest wie ein Fels.

Was waren für Sie als Bürgermeister besondere, einschneidende Erlebnisse in dieser Zeit?

Das Einschneidendste war sicher die Realisierung, auf was wir da zulaufen. Die Informationen des Professor Drosten haben auf der Rückfahrt von einer Beerdigung in der alten Heimat diverse Telefonate mit dem Rathaus zur Folge gehabt. Ergebnis war, dass wir nach Ankunft in Babenhausen zu einem relativ frühen Zeitpunkt das Rathaus für den freien Publikumsverkehr geschlossen und unsere Krisenpläne angepasst und umgesetzt haben.

Wie ging es weiter?

Schlechte Nachrichten verkünden und komplexe Dinge erklären zu müssen, lieb Gewonnenes zu verbieten, Grundrechte und soziales Leben zu beschneiden ist sicher nicht der Traum eines Bürgermeisters. Einer Pandemie den Schrecken zu nehmen ist keine leichte Aufgabe und mit dem Amt kommt eben nicht nur die Sorge um Familie und Nachbarn. Ich sorge mich um Familien, denen die Kinderbetreuung wegbricht, Senioren in Wohnheimen, meine Mitarbeiter, meine Feuerwehrkameraden, Polizei und Rettungsdienst, den Betrieb der Kläranlage und wichtigen kommunalen Infrastrukturen. Das Beschaffen von Materialien, die jeder haben will, wie Masken, Desinfektionsmittel und Schutzkleidung waren einschneidende Erlebnisse.

In den wenigen ruhigen Momenten erschien die Situation auch mit Blick ins Ausland surreal, dann heißt es den Kopf freikriegen und das nächste Problem zu lösen, dann das nächste und das nächste. Kostengünstige Beschaffung von Computerhardware, Schaffen von Heimarbeitsplätzen für die gefährdeten Kollegen sind dann Lösungen, die ich erarbeitet habe. Dann am Muttertag aus Tradition, aber allein in das kalte Wasser des Schwimmbades zu springen, erscheint im Nachgang ebenso surreal.

Arbeitet die Verwaltung noch im Krisenmodus oder ist mehr oder weniger Normalität eingekehrt?

Normal ist noch gar nichts. Wir haben die meisten Kollegen wieder vor Ort und bieten den vollen Leistungsumfang der Verwaltung im Rathaus an. Kläranlage, Bauhof und die Feuerwehr haben, mal abgesehen von internen Schulungen, durchgearbeitet. Immer noch reduziert ist die Kinderbetreuung in den Kitas.

Ist bereits abzuschätzen, was die Corona-Krise für die Finanzen der Stadt bedeutet?

Wir haben eine recht genaue Vorstellung von den uns entgehenden Einnahmen an vielen Stellen, schon allein für die Liquiditätsplanung ist das unbedingt erforderlich. Wo wir im ordentlichen Ergebnis landen, hängt aber maßgeblich von verschiedenen Faktoren ab, die von Landes- und Bundesseite gesteuert werden, hier ist jede Prognose zu früh.

Was wollen Sie tun, was sind Ihre Forderungen hinsichtlich der Finanzen?

Es muss allen klar sein, dass außergewöhnliche Umstände herrschen. Bei der Beurteilung der Einhaltung von Haushalteplänen und Budgets ist eben eine Pandemie mit so weitreichenden Ausmaßen zu berücksichtigen. Am Ende gilt das Prinzip: „Wer bestellt, der bezahlt auch“. Ich fordere an dieser Stelle vor allem Konsequenz im weiteren Vorgehen. So richtig es war, der Pandemie alles entgegenzuwerfen, was wir haben, um Menschenleben zu retten, so richtig wird es auch sein, die Kommunen mit den Folgen nicht allein zu lassen und bestmöglich den Schaden zu heilen.

Mitten in der Corona-Krise kam für die Öffentlichkeit die Nachricht, dass ein Investor ein Rechenzentrum in Babenhausen errichten möchte. Einer der Kritikpunkte ist, dass der Name des Investors nicht öffentlich genannt wird. Halten Sie diese Sorge für berechtigt ?

Dieser große Erfolg für Babenhausen ist ein Grund zur Freude. Dabei soll ein gewisses Maß an konstruktiver Skepsis durchaus gestattet sein. Allerdings werden hier in teilweise sehr abstruser Art Argumente gebracht, die einer Realitätsprüfung kaum standhalten. Welche Betreiber wären denn gefällig, welche nicht? Dazu gibt es keine belastbaren Aussagen. Strafrechtlich bedenkliche Betreiber würden sowieso nicht nach Deutschland gehen, dafür sind hier Rechtslage und Kontrolle zu stabil. Das Dark-net, vor dem Ängste geschürt werden, ist zu einem erheblichen Teil nicht auf europäischen Boden gehostet. Ich halte diese Sorgen für nicht fundiert, etwas Vertrauen in die Verantwortlichen für Umsetzung und Kontrolle wäre hilfreich.

Blick auf die Kernstadt mit dem Schloss (links unten), dem markant gelben Gebäude der K&S-Seniorenresidenz (Mitte) und dem davorliegenden Michelsbräu-Gelände sowie dem Continental-Werksgelände (rechts oben). 

Der Kaisergärten-Bebauungsplan ist mit dem Offenlagebeschluss in die finale Phase eingetreten. Erwarten Sie Einwände, die das Projekt verzögern könnten?

Ich hoffe auf konstruktive Anregungen und Ergänzungen. Es sind im Vorfeld so viele Extrarunden, Gespräche und Klärungen durchgeführt worden, dass ich große Verzögerungen für sehr unwahrscheinlich halte. Zwar gibt es dafür keine 100-prozentige Sicherheit, doch nach all den Vorbereitungen sollten die wirklichen Knackpunkte gelöst sein. Die Kaserne ist aber nicht die Ursache für jeden Missstand und kann auch in ihrer Entwicklung nicht eine vollständig heile Welt erzeugen. Sie bringt Babenhausen aber weit nach vorn.

Die Fragen stellte

Norman Körtge

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